"Elegy": Begierde, entschleunigt

12. August 2008, 17:38
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Als Starvehikel für Penélope Cruz ist "Elegy" mitunter etwas schematisch - Dennoch: ein zeitweise stimmiges Porträt zwischen­menschlicher Beziehungen

Wien - Kinoadaptionen von Romanen des US-Autors Philip Roth sind offenbar ein riskantes Unterfangen: Ein gewisser Ernest Lehman beispielsweise, schon damals mehrfach Oscar-nominierter Drehbuchautor, suchte sich 1972 für sein Regiedebüt ausgerechnet Portnoy's Complaint aus. Es sollte seine erste und einzige Arbeit als Regisseur - und Produzent - bleiben.

In Nachschlagewerken wird der Film bis heute eher als Kuriosum geführt. Bis zum nächsten Adaptionsversuch vergingen 31 Jahre: Die US-Produktionsfirma Lakeshore Entertainment - etwa verantwortlich für Die Braut, die sich nicht traut oder Million Dollar Baby - sicherte sich im neuen Jahrtausend die Rechte für drei Romane. Als Erstes inszenierte Robert Benton 2003 eine starbesetzte Hollywood-Version von The Human Stain.

Allerdings wirkte nicht nur Nicole Kidman als vom Leben arg gebeutelte und trotzdem liebesfähige Proletarierin Faunia Farley deplatziert. Dem Film fehlte es insgesamt an Differenziertheit. Der Versuch, Roths raffiniert verstrickte Erzählung um Identitäten, (De-)Maskierungen und gesellschaftliche Hierarchien in den Griff zu kriegen, geriet zur groben Verkürzung. Auch beim Publikum fand der Film nicht unbedingt Anklang. Mit Elegy oder die Kunst zu lieben unternimmt nun die Katalanin Isabel Coixet den nächsten Versuch. Der Stoff - als Vorlage diente Das sterbende Tier - ist diesmal vergleichsweise leichtgewichtig. Umgekehrt bringt die Regisseurin von Mein Leben ohne mich ein gewisses Standing in Sachen gediegener Arthouse-Ware ein.

Im Mittelpunkt von Elegy steht Professor David Kepesh, der sich als Siebzigjähriger an die acht Jahre zurückliegende Beziehung zu Consuela Castillo, einer damals 24-jährigen Studentin erinnert. Eine Beziehung, die als Verführungsspiel beginnt, sich zur Liebesgeschichte entwickelt, welcher wiederum die obsessive Eifersucht des alternden Pioniers der sexuellen Befreiung ein Ende bereitet.

Coixet versucht sich an narrativer Entschleunigung, studiert Bewegungen und Körper, gibt Situationen Raum. Abgesehen davon, dass dies mitunter oberflächlichen Kitsch (und ein wenig Langeweile) produziert, sorgt einmal mehr die Besetzung der weiblichen Hauptfigur für anfängliche Irritation:

Die auch schon 34-jährige Penélope Cruz muss mit züchtig geglättetem Haar und gestärkter Bluse nämlich als Studentin und rassiger Männertraum herhalten. Demgegenüber verkörpern Ben Kingsley als Kepesh, Dennis Hopper als dessen bester Freund oder die großartige Patricia Clarkson als Kepeshs langjährige Sexpartnerin auch buchstäblich alle das zentrale Thema des Alterns. Erst allmählich wird Consuela auch äußerlich mit ihrem Kepeshs Projektionen eigentlich überlegenen Realitätssinn in Einklang gebracht. Von ihrer Kostümierung befreit, wirkt sie im Ensemble nicht mehr wie ein verkleideter Fremdkörper.

Elegy zeichnet insgesamt ein nicht unstimmiges Bild von Beziehungen zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kindern, unter Männern oder zwischen Liebenden. Und wer sich die Rechte an einem Roth-Roman leistet, der setzt heute eben auf zugkräftige (weibliche) Stars als Bürgen für die Rentabilität dieser Investition. Philip Noyce ist derzeit schon dabei, die Filmfassung von American Pastoral vorzubereiten. Wer mitspielt, ist noch nicht bekannt. (Isabella Reicher, DER STANDARD/Printausgabe, 13.08.2008)

Ab 15. 8. im Kino

  • Altern in Freundschaft: Ben Kingsley (li.) und Dennis Hopper (re.) in
"Elegy" - Isabel Coixets Kino-Adaption von Philip Roths Roman "Das
sterbende Tier" .
    foto: lakeshore entertainment

    Altern in Freundschaft: Ben Kingsley (li.) und Dennis Hopper (re.) in "Elegy" - Isabel Coixets Kino-Adaption von Philip Roths Roman "Das sterbende Tier" .

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