Kandidatenwahl: Viel G'riss um wenige Plätze

12. August 2008, 17:20
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Altgediente Abgeordnete zittern um Mandate

 

Wien - "Wer Hasch will, muss Hasch wählen" : Mit diesem Motto wirbt Adi Hasch um Stimmen. Der 51-jährige Bezirksrat ist einer von 33 grünen Kandidaten in Wien, die ins Parlament drängen - wenn auch einer ohne echte Chancen.


Zwei Wege führen bei den Grünen in den Nationalrat. Potenzielle Kandidaten können sich auf regionalen Parteiversammlungen auf die Wahlliste ihres Bundeslandes wählen lassen oder versuchen, auf die vom grünen Bundeskongress gekürte Bundesliste zu kommen.
Während die meisten Länder ihre Listen bereits mit ein paar Neulingen, aber ohne große Sensationen besetzt haben, herrscht in Wien vor der Wahl kommenden Sonntag ordentliches Gedränge. Das Match ist das ewig gleiche: Die in der Hauptstadt starken linken Traditionalisten versuchen Gesinnungsgenossen ins Parlament zu hieven. Die bürgerlich angehauchten Pragmatiker um Parteichef Alexander Van der Bellen wollen genau das verhindern, indem sie ihre eigenen Schützlinge protegieren.

Ausgeschnapst haben sich die Grünen nur die ersten beiden Listenplätze: Nummer eins wird die Dritte Nationalratspräsidentin Eva Glawischnig, Nummer zwei Justizsprecher Albert Steinhauser. Schon ab Platz drei, der laut Quotenregelung den Frauen gehört, beginnt das G'riss. Die langgediente Abgeordnete Ulrike Lunacek etwa muss ihr Mandat gegen die Gemeinderätinnen Monika Vana und Alev Korun sowie Klubdirektorin Daniela Musiol verteidigen - die Herausforderinnen haben bei der Wiener Basis gute Karten.

Auch beim Kampf um Platz vier sind linke Ansagen Trumpf. Der Parlamentarier Karl Öllinger schmückt sich in seiner Bewerbung mit ÖVP-Zitaten: "Öllinger steht ein Stück weit links von der SPÖ." Konkurrent Martin Margulies, entschiedener Gegner von Schwarz-Grün, verspricht eine "Schärfung des linken Profils" ; der bloße Gedanke an seinen möglichen Einzug in den Nationalrat jagt den Van der Bellens und Glawischnigs Schauer über den Rücken.

Bei den letzten Wahlen errangen die Wiener Grünen fünf Mandate, ebenso viele schauten via Bundesliste heraus. Routinierte Abgeordnete wie Öllinger, Lunacek, Bruno Rossmann und Wolfgang Zinggl zittern um ihre Sitze, vor allem wenn auch noch ein Newcomer einen Platz finden soll. Nichts ist fix, vieles möglich: Die grünen Funktionäre sind unberechenbar, die Mehrheiten unklar, weil viele auf Urlaub sind. Das gibt Außenseitern Chancen. Mit Beatrice Achaleke kandidiert etwa eine Frauenaktivistin aus Kamerun. Die erste schwarze Abgeordnete - ob die Grünen da Nein sagen können? (Gerald John/DER STANDARD Printausgabe, 12. August 2008)

 

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