Schädel eines fossilen Lemuren nach 100 Jahren vervollständigt

12. August 2008, 15:53
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Funde aus dem Jahr 2003 passten zu 1900 gefundenen Knochen - Naturhistorisches Museum zeigt den kompletten Schädel

Wien - Seit über 100 Jahren besitzt das Naturhistorische Museum Wien (NHM) Überreste eines fossilen Lemuren aus Madagaskar. Im Jahr 2003 entdeckten amerikanische Wissenschafter am gleichen Fundort weitere Knochen, darunter unter anderem die fehlenden Augenbrauenbögen des Wiener Schädels. Nun wurden die Teile wieder zusammengesetzt und werden ab den kommenden Wochen im Museum zu sehen sein.

Der Fundort ist eine teilweise eingestürzte Höhle auf Madagaskar. 1899 entdeckte der Wiener Fossilien-Sammler dort unter anderem den Schädel eines seltenen, ausgestorbenen Halbaffen namens Hadropithecus stenognathus. 2007 entdeckte ein US-amerikanisches Wissenschafterteam um Alan Walker, dass Knochen von neuerlichen Funden aus dem Jahr 2003 teilweise exakt zu den alten Relikten in Wien passen.

Zur Zeit sind die Anthropologinnen Laurie Godfrey (University of Massachusetts) und Natalie Vasey (Portland State University) in Wien, um die neuen und alten Fundstücke zu bearbeiten und zusammenzufügen. "Unsere Kollegen haben uns die Funde geschenkt, der nun fast vollständige Schädel wird ab den kommenden Wochen wieder ausgestellt", sagte dazu Ursula Göhlich von der Wirbeltierpaläontologie des NHM anlässlich der Überreichung der Knochen am Dienstag in Wien.

Vier Exemplare

Die beiden Augenbrauenbögen passen exakt zu dem Schädel. Daneben fanden die Wissenschafter aber auch andere Knochen, Kiefer und Zähne die sich wie Teile eines Puzzles zu den Wiener Relikten fügen. "Insgesamt handelt es sich um vier Individuen, ein fast erwachsenes, zwei jüngere und ein erst wenige Monate altes Tier", so Godfrey. Die Wissenschafterin geht davon aus, dass die vier Halbaffen gleichsam einen Unfall bei einem Einbruch des porösen Gesteins bei der Höhle erlitten und dabei ums Leben kamen.

Hadropithecus zählt zu den sogenannten Archaeolemuren, die vor rund 500 Jahren ausstarben. Im Gegensatz zu den meisten heute lebenden Lemuren, die als Baumbewohner gelten, waren diese Tiere auf das Leben am Boden spezialisiert. Das zeigen nicht zuletzt die Funde von Handknochen. Laut Godfey dürften Hadropithecus nicht zuletzt durch die Besiedelung Madagaskars durch den Menschen ausgestorben sein. Erste Hinweise auf die menschliche Eroberung der Insel datieren auf eine Zeit vor etwa 2.000 Jahren. Die Überreste von Hadropithecus haben ein Alter von rund 7.500 Jahren. (APA)

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    Seit dem Jahr 1900 liegt der Schädel eines fossilen Lemuren namens Hadropithecus im Naturhistorischen Museum in Wien. Nun kann er durch fehlende Teile ergänzt werden.

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