Obama meldet sich bei dir, sobald er mehr weiß

12. August 2008, 15:30
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Sobald Obama weiß wer sein Vize wird, will er Anhängern ein SMS oder Mail schreiben - Der Demokrat setzt auf neue Medien

Ein kurzer freundlicher Gruß, dann kommt David zur Sache. David heißt mit Nachnamen Plouffe, ist der Wahlkampf-Manager des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama - und er verschickt Mails für seinen Chef. Diesmal scheint es wirklich wichtig zu sein. Betreff: Barack'VP: Be the first to know.

"Obama wird bald eine der wichtigsten Entscheidungen seines Wahlkampfes bekanntgeben: wer sein Vize sein wird", schreibt er diesmal. Das Versprechen eines Informationsvorsprunges, den man sich, wie im e-Mail erwähnt, als Unterstützer der Kampagne von Beginn an mehr als verdient hat. Wer sich via Mail oder SMS anmeldet, wird sofort nachdem Obama sich entschieden hat informiert.

Wenn möglich, sollen die Empfänger die Mail an Freunde, Familie und Kollegen weitergeschickt werden. Alle sollen Teil haben an dieser "special opportunity". Keine andere Kampagne habe das jemals zuvor gemacht, preist Plouffe die Einzigartigkeit seiner Idee.
Zehn Sekungen, zwei Klicks später und natürlich angemeldet erscheint auf dem Bildschirm: "Danke, dass Sie sich angemeldet haben - Jetzt machen sie eine Spende". Der Minimalbetrag ist fünf Dollar - nach oben ist der Freigiebigkeit keine Grenze gesetzt.

In Obamas Netz

Die Bekanntgabe des Vize-Präsidenten über Mails und SMS bedeutet ein klares Abgehen von der bisherigen Praxis, den Vize beim Parteitag vorzustellen. Obama und sein Stab setzen in ihrem Wahlkampf stark auf moderne Informationstechnologien. Sie verfügen über ein Netz von rund zwei Millionen Anhängern, die über Internet Spenden einsammeln und für Obama werben. Obama befindet sich noch bis Freitag im Urlaub auf Hawaii. Allgemein wird damit gerechnet, dass er kurz nach seiner Rückkehr bekannt geben wird, wer sein Vize wird. Am 25. August beginnt der Nominierungsparteitag der Demokraten in Denver.

Auch beim Parteitag will Obama über Chats und Videos Anhängern die Möglichkeit geben, an der Großveranstaltung zumindest virtuell teilzunehmen. "Wir haben Pläne Stimmen aus ganz Amerika einzubinden, die niemals zuvor die Möglichkeit hatten dabei zu sein", wird Kathleen Sebelius, Senatorin aus Kansas, in der britischen Tageszeitung Guardian zitiert. "Jeder Abend des Parteitages wird anders sein, als alles was wir in jemals gesehen haben". Alles soll so interaktiv und basisdemokratisch wie möglich ablaufen: Wähler werden über Video und in eigenen Studios auch live Fragen stellen können.

Michelle, Hillary, Obama und sein Vize

Wichtige Redner, neben Obama, werden seine Frau Michelle und seine ehemalige Konkurrentin Hillary Clinton sein. Die vier Abende des Parteitages sind exakt geplant: Am ersten Abend spricht Michelle über die Biographie ihres Ehemannes. Tags darauf gehört das Podium Hillary Clinton. Sie wird wohl versuchen enttäuschte Clinton-Wählerinnen von den Vorzügen Obamas zu überzeugen. Am dritten Abend soll Obamas Vize gemeinsam mit Partei-Veteranen die Bühne betreten. Krönender Abschluss am vierten Tag soll Obamas Rede in einem vor 75.000 Zuhörern in einem Football-Stadion sein.

Unter anderem die Internetnähe unterscheidet Obamas Kampagne von der des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain. McCain hat zugegeben, das Internet nicht oft zu benutzen und Mails würden ihm seine Assistenten ausdrucken. Aber auch die Republikaner haben einiges an Neuerungen für ihren Parteitag im September angekündigt.

Obamas intensive Nutzung der neuen Medien, hat ihn aber nicht auf die alten Medien vergessen lassen. Am 9. September erscheint sein neues Buch. Der Inhalt: Eine Auswahl seiner wichtigsten Reden. Eine eBook Version wird bereits einen Tag vorher online sein. (mka/APA/AFP, derStandard.at, 12.8.2008)

 

  • Obama calling: Er meldet sich, sobald er weiß wer sein Vize wird.
    Foto: REUTERS/Carlos Barria (UNITED STATES)

    Obama calling: Er meldet sich, sobald er weiß wer sein Vize wird.

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