"Gefährliche" Plakatständer, geheimes Budget, geschenkte Mannerschnitten

12. August 2008, 14:22
150 Postings

Die Wiener SPÖ will die Dreiecksständer aus der Stadt verbannen - Häupl nennt die ÖVP eine "destruktive Neinsager-Truppe" und startet mit 4000 helfenden Händen in den Wahlkampf

Sie sind ungeliebt. Sie sind umstritten. Und im Wahlkampf sind sie überall: Die Dreieckständer, auf denen in Wien Wahlplakate präsentiert werden. Die Wiener SPÖ sagt den "gefährlichen Dreieckständern", wie SP-Landesparteisekretär Harry Kopietz sie nennt, den Kampf an. Diese Form der Wahlwerbung gefährde nämlich Kinder, Alte und behinderte Menschen, so Kopietz. Der Grund: An Straßenecken, Einfahrten oder Kreuzungen sorgen die Plakatständer für Sichtbehinderungen. Daher werde die SPÖ eine Hotline einrichten, bei der Betroffene Tag und Nacht "gefährliche Dreiecksständer" melden können, kündigte der Landesparteisekretär an.

Streit um Plakate

Bei einem gemeinsamen Pressegespräch mit Wiens Bürgermeister Michael Häupl plädierte Kopietz erneut für das Ausweichen auf die Halbschalen der Gewista, welche von dem Plakatunternehmen gratis zur Verfügung gestellt würden. Pro Plakat sei lediglich eine Anbringungsgebühr von einem Euro zu bezahlen. Der Vorwurf, die SPÖ verdiene an einem ihr nahestehenden Unternehmen, sei also haltlos, so Kopietz. Die Opposition hatte Kritik an der Beziehung zwischen der Wiener Plakatwerbefirma Gewista und der SPÖ geübt und mit diesem Argument den Umstieg auf Halbschalen abgelehnt. Warum die SPÖ nicht mit gutem Beispiel voran geht und selbst umsteigt? "Entweder alle oder keiner."

Die Grüne Klubchefin Maria Vassilakou erklärte am Dienstag im Anschluss an Häupls Pressekonferenz ultimativ, dass die Halbschalen keine Alternative seien. "Kopietz will offenbar eine Zwangsabgabe an die SPÖ einführen und strebt jetzt auch ein Monopol bei der Wahlwerbung an", beschied sie.

Abgesehen vom Streit um die Dreiecksständer ist der rote Wahlkampf in Wien auf Schiene. 7000 "Vertrauenspersonen" habe man in Wien, so Kopietz, 4000 davon werden ab kommender Woche auf die Straße geschickt, um für die SPÖ zu werben. Das Budget für den Wahlkampf der Wiener SPÖ wollte Kopietz nicht genau beziffern: "So wenig als möglich und so viel wie notwendig."

Gebührenlawine?

Beim Pressegespräch im Wiener Restaurant Gergelys (es gab passenderweise Häuptelsalat mit roter Soße) zeigte dann auch Bürgermeister Michael Häupl, dass Wahlkampf ist. Die Volkspartei rede die Stadt schlecht, anstatt substanzielle Vorschläge zu unterbreiten, meinte Häupl: "Sie sind eine destruktive Neinsager-Truppe." An den Vorwürfen der Volkspartei, die Stadt Wien sei für eine  Gebührenlawine verantwortlich, sei nichts dran. Mit "fundamentalen Unwahrheiten" werde versucht, die SPÖ als Abzockerpartei darzustellen - obwohl die Gebühren im Österreichvergleich in Wien im Mittelfeld lägen oder sogar am niedrigsten seien, wie beim Müll. Häupl wittert bei der ÖVP ein destruktives Element: "Offenbar passt es ihnen nicht, dass Wien eine gut funktionierende Stadt ist". (az, APA, derStandard.at, 12.8.2008)

 

 

 

  • Bei den Wahlkampfzuckerln (in diesem Fall ist das Wort tatsächlich angemessen) setzt die Wiener SPÖ auf Klassisches: Mannerschnitten mit Aufklebern.
    foto: derstandard.at
    Foto: derStandard.at/Zielina

    Bei den Wahlkampfzuckerln (in diesem Fall ist das Wort tatsächlich angemessen) setzt die Wiener SPÖ auf Klassisches: Mannerschnitten mit Aufklebern.

Share if you care.