Japans Verbraucher pessimistisch wie nie

12. August 2008, 14:05
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Der Privatkonsum kann den Export als Zugpferd für die Wirtschaft des Landes nicht ablösen, die Regierung schnürt ein Konjunkturbele­bungsprogramm

Tokio - So hohe Großhandelspreise wie seit 27 Jahren nicht mehr und ein Verbrauchervertrauen auf dem Tiefstand haben die Rezessionsängste in Japan geschürt. Mit 7,1 Prozent lag die Jahresteuerung deutlich höher als im Juni und weit über den Erwartungen der Analysten, wie aus offiziellen Daten vom Dienstag hervorgeht. Die steigenden Preise für Energie und Lebensmittel zusammen mit geringen Lohnanstiegen drückten das Verbrauchervertrauen auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Befragungen Anfang der 80er Jahre. Der Index fiel unbereinigt auf 31,4 Punkte von 32,6 Zählern im Juni, teilte die Regierung mit. Damit ist kaum zu erwarten, dass sich der Privatkonsum den Export als Zugpferd für die japanische Wirtschaft ablöst.

Aus Regierungskreisen hieß es, die längste Wachstumsperiode der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt seit dem Zweiten Weltkrieg könnte sich ihrem Ende nähern. Vor allem die Exporte liefen angesichts der weltweiten Konjunkturabkühlung schlechter; erstmals seit drei Jahren dürften sie keinen Wachstumsbeitrag liefern. Am Mittwoch sollen die Daten zur Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal vorgelegt werden; von Reuters befragte Analysten gehen im Schnitt von einem Schrumpfen um 0,6 Prozent aus.

Konjunkturprogramm

Um die Konjunktur zu stützen, will die Regierung in Tokio noch im August ein Konjunkturprogramm vorstellen. Dabei ist unter anderem vorgesehen, Verbraucher und kleine Unternehmen zu entlasten und die Entwicklung von energiesparenden Technologien zu fördern. Allerdings ist der finanzielle Spielraum des asiatischen Landes gering, dessen Schulden bei 150 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen.

Wie in den anderen großen Volkswirtschaften liegt die Inflation bei den Großhandelspreisen in Japan so hoch wie seit Anfang der 80er Jahre nicht mehr, als nach der zweiten Ölkrise die Teuerungsraten in die Höhe geschnellt waren. In Deutschland verteuerten sich die Großhandelspreise im Juli um 9,9 Prozent, in den USA lag im Juni der Erzeugerpreisanstieg bei 9,2 Prozent - was jeweils einem 27-Jahres-Hoch entspricht. Allerdings gehen einige Experten davon aus, dass sich die Teuerung im Großhandel angesichts der zuletzt gefallenen Öl- und Rohstoffpreise bald ihrem Höhepunkt erreichen könnte. (APA/Reuters)

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