Rheinmetall unter Erwartungen

12. August 2008, 13:13
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Für Rheinmetall wird das weltweite Geschäft mit Waffen und Munition allmählich zum einzigen Wachstumstreiber

Düsseldorf - Für Rheinmetall wird das weltweite Geschäft mit Waffen und Munition allmählich zum einzigen Wachstumstreiber. Während die mit Zukäufen vorangetriebene Sparte im ersten Halbjahr zulegte, meldete der deutsche Traditionskonzern am Dienstag für das Geschäft mit Kolben und anderen Teilen für die Autoindustrie Einbußen.

In den ersten sechs Monaten 2008 steigerte Rheinmetall den Umsatz leicht auf 1,9 Mrd. Euro und den Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) um sechs Prozent auf 102 Mio. Euro. Der Überschuss kletterte um 19 Prozent auf 54 Mio. Euro. Das lag unter den Erwartungen der Analysten.

Zum Jahresende rechnen die Düsseldorfer weiterhin mit einem Anstieg des Gewinns vor Zinsen und Steuern auf 280 Mio. bis 290 (Vorjahr: 270) Mio. Euro. Das Plus werde aber wohl nur vom Rüstungsgeschäft getragen.

Das Rüstungsgeschäft verbesserte den operativen Gewinn im ersten Halbjahr um 16 Mio. Euro, während er in der Autozuliefersparte um vier Mio. Euro zurückging. Rheinmetall verwies auf Restrukturierungskosten von vier Mio. Euro und den Abbau von rund 250 Arbeitsplätzen in der Kolbenfertigung.

Geschäft mit Autoteilen wird zum Bremsklotz

Das personalintensive Geschäft mit Autoteilen - hier sind fast 12.000 der 19.000 Mitarbeiter beschäftigt - wird immer mehr zum Bremsklotz für Rheinmetall. Dem Konzern machen Anlaufkosten für neue Produkte ebenso zu schaffen wie die schwächelnde Automobilindustrie in den USA und der hohe Eurokurs.

Die Aktie notierte zeitweise über zwei Prozent im Minus. Ohne Restrukturierungen im Autoteilegeschäft werde Rheinmetall seine Ziele bis 2010 nicht erreichen, urteilte Equinet-Analyst Adrian Pehl. Rheinmetall will die operative Umsatzrendite vor Zinsen und Steuern bis dahin auf neun (2007: 6,7) Prozent verbessern.

"Unser Defence-Geschäft erweist sich mit seinen langfristigen Projekten als ein stabiles Fundament", sagte Vorstandschef Klaus Eberhardt. In der Automobilsparte erwartet er für das Gesamtjahr nur noch ein stabiles Ergebnis, noch vor wenigen Monaten hatte er ein EBIT-Plus von über drei Prozent in Aussicht gestellt. Sein Optimismus für das Geschäft mit Waffen und Munition wird auch davon gespeist, dass sowohl in Deutschland als auch weltweit mit steigenden Rüstungsausgaben zu rechnen ist.

Die Rheinmetall-Aktien fielen bis gegen 10.35 Uhr um 2,21 Prozent auf 42,03 Euro. Der MDAX lag bis dahin ein Prozent tiefer. (APA/Reuters)

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