Hüftgold

Christoph Winder, 12. August 2008, 13:11
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Der Speckring um die Mitte

Sommer ist die Zeit des Hüftgolds. Ohne Barmen legen Bikinis und Badehosen die Speckkringel und Fettflügel bloß, die man sich das Jahr über angefuttert hat und die nun, provokativ ausladend, die Körpermitte umrunden. Manche sagen "Schwimmreifen" dazu. Die Engländer denken an den Geschlechtsverkehr und sprechen scherzhaft von "love handles". Die Australier haben für überhängende Fettmassen den Begriff "muffin tops" erfunden, der vom Macquerie Dictionary, einem örtlichen Wörterbuch, 2006 zum "Wort des Jahres" gewählt wurde (ein Muffin ist ein Gebäck mit einer typischen ringartigen Teigkrause, die knapp oberhalb des Papierförmchens, in dem der Muffin steckt, ins Freie dringt). Wiederum andere nennen die Muffin Tops, Love handles oder Schwimmreifen eben Hüftgold. In Berlin gibt es ein Modelabel namens Hüftgold, in Düsseldorf ein Cafe Hüftgold.

Je mehr vom Hüftgold schwingt und schwabbelt, desto mahnender runzelt der Arzt die Stirn. Erlaubter Bauchumfang: Höchstens 88 Zentimeter bei Frauen, höchstens 102 bei Männern. Hüftgold, das diese Maße sprengt, ist ungesund. Besonders der "Apfeltyp", der klassische Hüftgoldträger, gibt zur medizinischen Sorge Anlass: Es droht das metabolische Syndrom (oder Syndrom X) mit erhöhtem Blutdruck, erhöhten Blutfetten und erhöhtem Blutzucker. Der zur Anlagerung von Popo- und Oberschenkelgold tendierende "Birnentyp" hat vielleicht auch seine kosmetischen Probleme, aber weniger riskant als Hüftgold ist Oberschenkelgold allemal.

Das Vor-Magazin, die Zeitschrift, die in den Wiener Bims baumelt, berichtet in seiner jüngsten Ausgabe, dass Tatjana Batinic, Miss Austria des Jahres 2006, "Hüftgold" geschlemmt habe. Dazu sieht man ein Foto von Frau Batinic, wie sie sich gerade mit einer Kuchengabel ein Stück Torte einverleibt. Das ist eine interessante Anwendungsversion des Hüftgoldes, weil mit dem Hüftgold nicht das am Körper sichtbare Resultat des Schlemmens gemeint ist, sondern eine kalorienreiche Speise, die zur Produktion von überschüssigem Körperfett beiträgt. Mit demselben Recht könnte man natürlich auch Speck und Spiegelei, Bratwurst und gebackenen Emmentaler "Hüftgold" nennen. Der besseren Unterscheidbarkeit halber wäre es in solchen Fällen aber vielleicht doch angezeigt, nicht bloß von "Hüftgold", sondern von "Hüftgold in spe" oder "Hüftgold in the making" zu sprechen.

Güldene Assoziationen der verehrten Leser sind wie immer willkommen.

Von Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

 

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Wer weiß schon, dass die "Gemeine Goldrute"

(solidago virgaurea) ihren Namen der Sadomasochisten-Szene verdankt, wo sie bevorzugt zur Hüftgold-Behandlung verwendet wird.

(Im Volksmund dagegen ist sie, nach dem Märtyrer Laurentius von Rom, auch als Laurenzilorbeer bekannt .Der Überlieferung nach waren seine letzten Worte etwa so: "... mir ist dieses Feuer eine Kühle...")

Letzte Worte des Heiligen am Grill:

"Dreht mich um, bin schon so gut wie durch, bald könnt Ihr mich verspeisen! Amen."

Wie, dort gibt's dann zwanzig Streiche auf das

blanke Hüftgold?

So wird´s wohl im Normalfall sein!
Aber gerüchteweise sollen wahre Genießer heimlich auf den Feuerdorn schwören, im Besonderen auf Pyracantha Golden Charmer!

Scheint sich um ein Milieu mit recht

erläuterungsbedürftigem Vokabular zu handeln.

Aber wo!

Das klingt nur so ausländisch, ist aber nur schlichtes Kleingärtner-Latein!

Latein?

Golden Charmer

Oje,

ist natürlich griechisch!

Für das schwabbelig herunterhängende Fettgewebe am Oberarm hab ich unlängst die Bezeichnung Bingowings gehört. Auch recht charmant.

Aggregatzustände

Tatsächlich konnten bisher 3 Aggregatzustände des Hüftgoldes festgestellt werden: das vor-verzehrte, das ab- oder angelagerte und das abgesaugte HG.

Begriffe wie Art oder Modifikation sind besser als
der hier nicht angebrachte "Aggregatszustand".

Ich hab da schon Hueftaggregate gesehen dass man alle Zustaend kriegen koennte...

Nettes Wortspiel.
Mit (physikalischen) Erscheinungsformen eines Stoffes (wie Gold) hat es aber nichts zu tun.

Um die Wortspiele geht's ja hier. Ansonsten gibt es natuerlich fluessiges Hueftgold (Cola), schaumfoermiges (Bier), fest/amorphes (Schweinsbraten), und fest/kristallines (Zucker). Cholesterin bildet auch Fluessigkristalle.
lp

Mein liebster Aggregatszustand: gerebelt
legt sich auch nicht an den Hüften an

Goldener Wein

handgerebelt!

Gold in der Kehle

hat der orso minore im Überfluss!

Richtig! Und zum Verhältnis untereinander: Hüftgold,

das man sich nicht hinauffrisst, muss man sich auch nicht absaugen lassen.

schon,

aber wo bliebe dann das Gold für die Schönheitschirurgen?

Das ist auch wieder wahr. Das Hymne dieses Berufstandes

lautet ja "Keep me searching for a hip of gold..."

Gold ist eben unvergänglich und von bleibendem Wert

aus Hüftgold wird eine goldene Nase

Respektive ein

Goldfinger.

oder

ein "golden eye"

Brunftgold.

Das kann man sich anessen?

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