Unterschätzte Zahnfleischerkrankungen

12. August 2008, 12:53
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Paradontitis erhöht das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall beträchtlich - Deutsche Forscher wollen die Ursachen der Parodontalerkrankung jetzt erforschen

Bonn - Die oft chronische Entzündung von Zahnfleisch und Kiefer, die so genannte Parodontitis, kann auf Dauer zu beträchtlichen gesundeitliche Folgen führen.

Bis zu 70 Prozent betroffen


"Jüngste Studien haben gezeigt, dass 70 Prozent aller Deutschen in der Altersgruppe zwischen 35 und 44 Jahren unter einer Parodontalerkrankung leiden", so der Zahnmediziner und Leiter der Bonner Forschungsgruppe, James Deschner im Interview. In höheren Altersgruppen liege diese Zahl sogar noch weiter oben, erklärt der Experte.


Verursacher sind Bakterien


"Verursacht werden die Entzündungen von Bakterien." Diese können vom Mundraum in die Gefäße wandern und dort Schäden anrichten. "Ein deutlich erhöhtes Risiko haben Raucher und Diabetiker, aber auch Menschen, die unter Stress stehen." Ein weiteres Risiko stelle auch die genetische Disposition dar, von der man annimmt, dass sie sogar bis zu 50 Prozent zum Risiko beitrage.


Effektivere Therapien


"Welche Erbanlagen es allerdings genau sind, ist aber noch nicht bekannt." Mit der zunehmenden Lebenserwartung und der besseren Kariesprophylaxe sei das Problem sogar noch ansteigend. "Wir arbeiten in dem Verbundprojekt daran, die Risikofaktoren besser zu erkennen und festzustellen, welche Faktoren chronische Entzündungen von Zahnfleisch oder Kiefer fördern", so Deschner. "Das sollte unter anderem zu effektiveren Therapien und zu neuen Möglichkeiten der Diagnostik führen."


Risikofaktoren und Krankheitsverlauf

Im Verbundprojekt arbeiten zudem auch noch der Parodontologe Sören Jepsen, der Kieferorthopäde Andreas Jäger sowie Internisten und Dermatologen. Die genetischen Untersuchungen laufen in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Kiel. "Mathematiker der Universität Bonn werden am Rechner simulieren, wie sich bestimmte Risikofaktoren - etwa eine hohe mechanische Kaubelastung - auf den Verlauf der Erkrankung auswirken", erklärt der Wissenschaftler.


Keine "normale" Alterserscheinung


In den vergangenen Jahren habe die Zahnmedizin schon große Fortschritte verzeichnen können. "So galt Parodontose bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts als ganz normale Alterserscheinung. Erst später erkannte man, dass der Zahnverlust durch chronische Entzündungen hervorgerufen wird, die sich durchaus bekämpfen lassen." Deschner rät in jedem Fall zum mindestens halbjährlichen Zahnarztbesuch. "Der Zahnarzt kann zumindest das Problem erkennen und weiterführende Schritte einleiten", so der Experte abschließend. (pte)

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    Mit der zunehmenden Lebenserwartung und der besseren Kariesprophylaxe wird das Problem der Paradontitis  noch ansteigen, meinen die Forscher.

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