Internationale Pressestimmen

12. August 2008, 12:23
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SZ: "Mann aus einer längst vergangenen Zeit" - EFE: "Eine der kürzesten und unglücklichsten Amtszeiten"

Wien - Der Tod von Altbundeskanzler Fred Sinowatz beschäftigt am Dienstag auch die internationalen Tageszeitungen.

"Frankfurter Allgemeine Zeitung":

"Während seiner Amtszeit als Bildungsminister erwarb er sich Verdienste um die Chancengleichheit in der Schule und ein liberales Geistes- und Kulturklima. Im Gegensatz dazu standen seine Jahre als Kanzler unter keinem guten Stern: Die Konfrontation um das geplante Donaukraftwerk bei Hainburg, der Weinskandal, der Konflikt Kreisky-Androsch kennzeichneten sie. Der Präsidentschaftswahlkampf 1986 überschattete Sinowatz' Leben über die politische Karriere hinaus: Er wurde in der von der SPÖ mit initiierten Kampagne zur angeblich 'braunen Vergangenheit Waldheims' wegen Falschaussage rechtskräftig verurteilt."

"Süddeutsche Zeitung" (München):

"Beim Parteitag der Sozialdemokraten (SPÖ) am vergangenen Freitag in Linz hat Fred Sinowatz gefehlt. So etwas ist seit 1958 erst zum zweiten Mal vorgekommen. Diesmal lag der Altbundeskanzler im Krankenhaus. Seit 22 Jahren hat er zurückgezogen in seiner burgenländischen Heimat gelebt. An runden Geburtstagen wurden oft Fotos vom 'Privatgelehrten' publiziert, der, umgeben von randvollen Bücherregalen in seinem Haus in Neufeld am See, historische Studien betrieb. Auch da wirkte Sinowatz wie ein Mann aus einer längst vergangenen Zeit. Oder auch deshalb, weil er sich so gut wie nie politische Kommentare, vor allem nicht über den oft kritischen Zustand seiner SPÖ entlocken ließ."

"Le Figaro" (Paris):

"Sinowatz war ein sozialistischer Politiker ohne großes Charisma. Er wurde Kanzler, nachdem Bruno Kreisky, der die österreichische Politik der 1970er Jahre dominiert hatte, seine Mehrheit verloren hatte. Nach drei Jahren trat er zurück, als Kurt Waldheim die Präsidentenwahl gegen den sozialistischen Kandidaten gewann, in einer hitzigen Kampagne, die von Vorwürfen wegen der Wehrmachtsvergangenheit Waldheims dominiert wurde."

"Dnevnik" (Laibach):

"Seine Kanzlerschaft war von einer Reihe von Krisen geprägt. Er trat als Kanzler zurück, als Waldheim in der Präsidentenwahl den sozialistischen Kandidaten besiegte, nachdem Sinowatz in der Wahlkampagne gegen Waldheim aufgetreten war. Während der Kanzlerschaft von Sinowatz brach 1985 auch der Weinskandal aus, als bekanntwurde, dass Weinhändler ein Frostschutzmittel in das Getränk mischten. Sinowatz war auch Regierungschef während der Proteste gegen das Donau-Kraftwerk (Hainburg) im Jahr 1984 und des Iran-Irak-Waffenskandals."

"EFE" (spanische Nachrichtenagentur):

"Nachdem er als Bildungsminister und Vizekanzler einige Erfolge verbuchen konnte, ging seine Kanzlerschaft an der Spitze einer Koalition von Sozialdemokraten und Liberalen als eine der kürzesten und unglücklichsten in die Geschichte ein. So musste sich Sinowatz den Vorwurf gefallen lassen, er habe bewusst Informationen über die umstrittene Vergangenheit des früheren UNO-Generalsekretärs Kurt Waldheim lanciert, als dieser bei der Bundespräsidentenwahl antrat." (APA)

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