Frist für AUA-Verkauf bis Jahresende

12. August 2008, 18:00
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Die Bundesregierung hat gestern der ÖIAG offiziell den Auftrag zum Verkauf der AUA-Anteile erteilt, die Frist wurde bis Ende 2008 erstreckt

Wien - Die ÖIAG hat gestern Dienstag von der Bundesregierung nun etwas mehr Zeit bekommen, Käufer für die 42,75 Prozent der Anteile zu finden, die derzeit noch in Staatsbesitz sind: Laut dem Ministerratsvortrag des Finanzministeriums - Ressortchef Wilhelm Molterer ist Eigentümervertreter bei der ÖIAG - sei "in den nächsten beiden Monaten ein transparenter und ergebnisoffener Prozess" einzuleiten, es bestehe "berechtigte Aussicht, bis spätestens Ende 2008 einen strategischen Partner für die AUA finden zu können". Sollte "wider Erwarten keine strategische Partnerschaft möglich sein, werden 2009 weitere Maßnahmen notwendig, um eine nachhaltige 'Stand-alone-Variante' sicherstellen zu können".

Bisher war man in der Regierung davon ausgegangen, dass bis Anfang Oktober ein Partner gefunden werden sollte. Was eine Stand-alone-Variante bedeutet, hat das AUA-Management in den vergangenen Tagen und Wochen mehrfach skizziert: Die AUA müsste auf die Größe einer Regionalfluglinie zurückgestutzt werden, die Anzahl der Flugzeuge - derzeit rund hundert - würde halbiert werden müssen, weitere Destinationen wären zu streichen.

Ob es dann zu einer Kapitalspritze kommt, die - in welcher Art auch immer - von öffentlicher Hand gefüllt wird? Um die Beantwortung dieser Frage drückte sich Molterer am Dienstag, trotz mehrfachen Nachfragens der Journalisten im Bundeskanzleramt nach dem Ministerrat.

Österreich-Faktor

Die Regierungsparteien ÖVP und SPÖ waren sich einig, dass im Privatisierungsauftrag nach wie vor der Österreich-Faktor als "Bedingung" (Molterer) enthalten sein müsste: "Die ÖIAG wird ermächtigt, die Austrian Airlines AG bei Erhaltung einer österreichischen Kernaktionärsstruktur von 25 Prozent plus eine Aktie zu privatisieren." Eine solche Struktur aufzustellen dürfte aber ein Problem sein. Die üblichen Kandidaten - jene Banken und Versicherungen, die schon jetzt insgesamt etwas mehr als sieben Prozent an der AUA halten, Hannes Androsch und andere - geben sich vorsichtig, zieren sich oder haben schon abgewunken.

Zur Not solle die ÖIAG in der AUA investiert bleiben, so der politische Konsens zwischen Rot und Schwarz. Dann würde die ÖIAG 28 Prozent minus eine Aktie an einen Partner verkaufen können, denn die AUA selbst hält auch drei Prozent. Die "österreichische Hand" wäre dann: ÖIAG mit 14,75 plus eins, AUA mit drei, Vienna Insurance Group (Städtische), Raiffeisen, Bank Austria mit 7,25 Prozent. Macht 25 Prozent plus eine Aktie.

Auch bei den "Zielen" (nicht: "Bedingungen", wohlgemerkt) bleibt die Regierung in ihrem Auftrag: Die Marke Austrian müsste erhalten werden, die Entscheidungszentrale in Österreich bleiben und Standortinteressen beim Streckennetz gewahrt bleiben.

Interessiert an einer AUA-Übernahme sind unter anderem die deutsche Lufthansa, die russische Aeroflot sowie die staatliche Air China. Von der deutschen Zeitung Handelsblatt wird im Falle eines Zuschlages an die Lufthansa - sie wurde auch in Gutachten als optimaler Partner gepriesen - bereits AUA-Vorstand Andreas Bierwirth, Ex-Lufthanseat und verantwortlich für Marketing und Vertrieb, als Nachfolger des derzeitigen Chefs Alfred Ötsch gehandelt. (szem,  DER STANDARD, Printausgabe, 13.8.2008)

  • Ein zusammengerollter Privatisierungsauftrag ist kein Fernrohr,
trotzdem müsste Finanzminister Wilhelm Molterer klar sehen, dass
österreichische Kerninvestoren bei der AUA noch nicht in Sicht
sind.
    foto: corn

    Ein zusammengerollter Privatisierungsauftrag ist kein Fernrohr, trotzdem müsste Finanzminister Wilhelm Molterer klar sehen, dass österreichische Kerninvestoren bei der AUA noch nicht in Sicht sind.

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