Palästinenser lehnen Olmerts Teilungsplan ab

12. August 2008, 18:11
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Große Siedlungsblöcke sollen bei Jerusalem bleiben - Abbas: Angebot über 92,7 Prozent des Westjordanlands "fehlt es an Ernsthaftigkeit"

Israel bietet den Palästinensern offenbar ein Abkommen über einen Abzug aus weiten Teilen des Westjordanlandes an. Die großen Siedlungsblöcke sollen aber bei Jerusalem bleiben. Die Palästinenser lehnten prompt ab.

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Tel Aviv - Acht Monate nach Beginn der Friedensverhandlungen hat Israel den Palästinensern erstmals einen konkreten Vorschlag für die Errichtung eines palästinensischen Staates vorgelegt. Darin vorgesehen ist unter anderem ein israelischer Abzug aus großen Teilen des Westjordanlandes und die Errichtung eines Korridors zwischen dem Westjordanland und dem Gazastreifen. Der künftige Status von Jerusalem wurde allerdings aus dem Angebot ausgeklammert.

Die Regierung von Premier Ehud Olmert bietet demnach an, sich aus 93 Prozent des Westjordanlandes zurückziehen, berichtete die israelische Tageszeitung Ha'aretz am Dienstag. Als Gegenzug für die sieben Prozent, die bei Israel bleiben - dabei dürfte es sich um die größeren Siedlungsblöcke handeln - sollen israelische Gebiete in der Negev-Wüste dem Gazastreifen hinzugefügt werden.

Der Korridor, der den Gazastreifen mit dem Westjordanland verbindet, würde weiterhin israelisches Staatsgebiet bleiben. Allerdings sollen ihn die Palästinenser ohne Sicherheitskontrollen passieren können. Nach Angaben von Ha'aretz haben die israelischen Verhandler den Palästinensern auch Pläne zur Ausgestaltung der künftigen Grenzen übergeben. Demnach soll der Grenzverlauf weitgehend der Route des israelischen Sperrwalls im Westjordanland folgen.Allerdings: Der Plan soll erst in Kraft treten, wenn Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und seine Sicherheitskräfte die Kontrolle über den Gazastreifen zurückgewonnen haben. Gaza ist derzeit allerdings fest in der Hand der Hamas.

Aus dem Büro von Abbas kam daher auch prompt die Ablehnung des Planes: "Der israelische Vorschlag ist nicht akzeptabel" , sagte ein Sprecher des Palästinenserpräsidenten. Die Palästinenser würden nur einen Staat mit Jerusalem als Hauptstadt und gänzlich ohne Siedlungen, also innerhalb der Grenzen vor dem Sechstagekrieg von 1967 akzeptieren, der Vorschlag sei reine Zeitverschwendung. (dpa, szi/DER STANDARD, Printausgabe, 13.8.2008)

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    Alltag im Westjordanland: Ein palästinensischer Jugendlicher und ein israelischer Grenzpolizist geraten bei einer der vielen Demonstrationen gegen den israelischen Sperrwall aneinander.

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