Nach Bergdrama am K2: Österreicher wieder in der Heimat

12. August 2008, 11:41
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Extrembergsteiger Christian Stangl: "Habe mit Leuten geredet, die kurz darauf gestorben sind, weil sie andere retten wollten

Der steirische Extrembergsteiger Christian Stangl, der gemeinsam mit seinem Kameraden Thomas Strausz, dem tödlichen Bergsteigerdrama am K2 im Karakorum-Gebirge, nur knapp entkommen war, ist am Montagabend nach Österreich heimgekommen. Müde, aber wohlauf, hat ihn seine Freundin Birgit am Wiener Flughafen empfangen. "Ich habe mit Leuten geredet, die kurz darauf gestorben sind, weil sie andere retten wollten. Die Sherpas sind noch einmal aufgestiegen und wurden von der Lawine erfasst", erzählte Stangl im Gespräch mit der APA.

Mehr als 24 Stunden habe es gedauert, bis die Kollegen im Lager erfahren haben, was in der Nacht auf 2. August in mehr als 8.000 Meter Seehöhe passiert war. Es waren bange Minuten. "Erst Stunden später ist klar geworden, dass mehrere Menschen von der Lawine mitgerissen worden sind", erzählte Stangl nach der Ankunft am Flughafen in Wien. "Es war Glück im Unglück, dass wir nicht dabei waren ", sagte er.

Ja, er hat einige der Verunglückten gekannt. "Man kennt die anderen vom Basislager", erzählte Stangl. Trotzdem lässt ihn der Berg nicht los. "Ich denke schon, dass ich zurückkehren werde, aber von der chinesischen Seite. Es gibt ja auch andere Routen", meinte der Extrembergsteiger. "Ich mache diesen Sport seit 20 Jahren, das ist Berufsrisiko. Man geht aber immer davon aus, dass nichts passiert."

Nach dem Nanga Parbat das Unglück auf dem K2: Verspürt man da keine Angst? Der Tod des aus Südtirol stammenden Extrembergsteiger Karl Unterkircher am Nanga Parbat Ende Juli hat Stangl sehr wohl Angst gemacht. "Ich habe Karl gekannt. Ja, ich war nervös", sagte er.


 

Der Run auf die Achttausender hat viele Kritiker auf den Plan gerufen, vor allem kommerziell geführte Expeditionen standen im Kreuzfeuer. "Der Lawine ist das aber wurscht", sagte der erfahrene Alpinist danach gefragt, ob die Leute vielleicht zu wenig gut ausgerüstet oder bergerfahren waren. Eislawinen brechen dort zu jeder Tages- und Nachtzeit ab. "Der Berg ist brutal steinschlaggefährdet. Durch die starke Erwärmung in den letzten 20 Jahren ist es dort gefährlich geworden. Hätte ich ein aktuelles Foto von der Route gesehen, wäre ich dort nicht hingefahren", sagte Stangl.

Ob die Freude über die Rückkehr oder der Ärger über den verpassten Gipfelsieg überwiegt? "Es hält sich die Waage", meinte der Bergfex. Vielleicht schon im nächsten Jahr wolle er einen neuen Anlauf versuchen.

Das Unglück auf 8.200 Meter Höhe hat sich am 2. August gegen 1.00 Uhr ereignet. "Wären wir eine Stunde früher zum Gipfel losmarschiert, wären wir von der Lawine mitgerissen worden", schilderte der Alpinist die Brisanz der Lage. Sein steirischer Landsmann Thomas Strausz wird erst in den nächsten Tagen zurück nach Österreich kommen.

Das Bergdrama hat elf Menschen das Leben gekostet. Es handelte sich um drei Koreaner, zwei Nepalesen, zwei Pakistaner, einen Norweger, einen Serbe, einen Iren und einen Franzosen. Den Alpinisten hatte eine Eislawine in 8.200 Metern Höhe am 1. August den Rückweg abgeschnitten. Mehrere von ihnen wurden dann am 2. August von einer mächtigen zweiten Lawine mitgerissen, während sie nach Möglichkeiten für den Abstieg suchten. (APA)

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    Christian Stangl, der gemeinsam mit seinem Kameraden Thomas Strausz, dem tödlichen Bergsteigerdrama am K2 im Karakorum-Gebirge, nur knapp entkommen war, ist nach Österreich heimgekommen.

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