Staatsanwaltschaft will Anklage erheben

24. Februar 2003, 10:48
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Rockband und Betreiber schieben einander die Schuld zu - Anwälte: Keine Genehmigung für Feuerwerk - Weitere Opfer befürchtet

West Warwick - Nach dem Brand in einem Nachtclub mit mindestens 96 Toten den in West Warwick (US-Bundesstaat Rhode Island) trat jetzt die Staatsanwaltschaft auf den Plan. Wenn sich bei den Verhören ergebe, dass dies angemessen sei, werde er Anklage erheben, sagte der Generalstaatsanwalt des US-Bundesstaats, Patrick Lynch, am Samstag. Ein Feuerwerk hatte in der Nacht zum Freitag während eines Rockkonzerts der Gruppe Great White in dem Club "The Station" die Katastrophe ausgelöst. Die Bandmitglieder und die Anwälte der Nachtclub-Betreiber schoben einander die Schuld zu. Die Musiker wurden verhört.

"Es gab Tote, Menschen haben ihre Angehörigen verloren", begründete Lynch sein Vorhaben. Die Befragungen wurden auch auf andere Bundesstaaten ausgeweitet. Die Bundesbehörden hätten sich in die Ermittlungen eingeschaltet. Der Gouverneur von Rhode Island, Donald Carcieri, äußerte die Vermutung, dass 350 statt der erlaubten 300 Gäste in dem Club waren.

Betreiber wußte nichts von Feuerwerk

Zu "keinem Zeitpunkt" sei einer der Betreiber des Clubs über das geplante Feuerwerk informiert gewesen, erklärten die Anwälte. Great-White-Leadsänger Jack Russell sagte dagegen, die Band habe die Genehmigung gehabt. Sie frage vor jedem Konzert um Erlaubnis für Feuerwerke und halte sich an die Absprachen. Dagegen sagten Betreiber von anderen Clubs, in denen die Band auftrat, die Musiker hätten in der Vergangenheit ohne Vorwarnung auf Konzerten Feuerwerke gezündet.

Nach Angaben von örtlichen Behörden wäre der gefährliche Spezialeffekt bei einer entsprechenden Anfrage nicht genehmigt worden. In Rhode Island herrschen strenge Bestimmungen für Feuerwerke in geschlossenen Räumen. Laut Feuerwehr wurden die Brandschutzbestimmungen des Nachtclubs erst an Silvester 2002 geprüft und nicht beanstandet.

Weitere Opfer befürchtet

Die meisten Opfer waren nach Angaben der Feuerwehr verbrannt oder Rauchgasvergiftungen erlegen. Andere Besucher wurden zu Tode getrampelt. Einige wurden noch vermisst, unter ihnen der Gitarrist der Band, Mark Kendal. Rund 200 Menschen erlitten zum Teil schwerste Brandverletzungen. Es seien weitere Todesfälle zu befürchten, sagte West Warwicks Verwaltungschef Wolfgang Bauer. Ein Arzt im Providence Hospital von Rhode Island sprach von bis zu 60-prozentigen Verbrennungen.

Bis Sonntag waren erst wenige Tote identifiziert. Carcieri appellierte an die Angehörigen der Opfer, zahnärztliche Informationen oder persönliche Gegenstände wie Haarbürsten zur Verfügung zu stellen, damit die Identität mittels DNA-Analysen bestimmt werden könne.

Ausgelöst worden war die Katastrophe in der Nacht auf Freitag zu Beginn des Konzerts, als während des ersten Liedes ein Feuerwerk abgebrannt wurde. Innerhalb von nur drei Minuten breiteten sich die Flammen auf den gesamten Saal aus und lösten eine Massenpanik aus. Die Feuerwehr in West Warwick brauchte mehr als fünf Stunden, um den Brand zu löschen. Das einstöckige Gebäude brannte vollständig aus. "Wer nicht binnen 30 Sekunden aus dem Gebäude raus war, hatte keine Chance", sagte Carcieri.

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