Analyse: USA werden den Irak selbst verwalten

21. Februar 2003, 17:17
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Irakische Opposition enttäuscht - Washington sucht Integrationsfigur für Sunniten

Washington/Wien - Zwischen der US-Regierung und den zuvor von ihr gehegten sechs irakischen Oppositionsgruppen fließt böses Blut, seit Douglas Feith, Undersecretary im Verteidigungsministerium, vor dem Außenpolitischen Ausschuss des Senats neue US-Pläne für den Post-Saddam-Irak dargelegt hat: Eine von Oberbefehlshaber Tommy Franks geleitete Militärverwaltung, flankiert von zivilen US-Koordinatoren für Administration, Humanitäres und Wiederaufbau, wird den Irak auf unbestimmte Zeit führen. Die Iraker werden sich mit einem Konsultativrat von etwa 20 Personen begnügen müssen, eine Kommission wird sich mit der Erstellung von Justizwesen und Verfassung befassen. Das Nachkriegsplanungsbüro beschäftigt sich auch bereits mit Konzepten zur "Entbaathisierung" der Mitglieder der irakischen Regierung und Verwaltung - was nichts anderes heißt, als dass man viele übernehmen wird.

"Baathismus mit einem amerikanischen Gesicht", nennt das der Autor der berühmten Irakstudie "Republik der Angst", Kanan Makiya; Ahmed Chalabi, Chef des irakischen Nationalkongresses und bis dato Favorit für eine Führungsrolle im Irak, spricht davon, dass die Amerikaner der "Schlange den Kopf abschlagen, den verfaulten Körper aber belassen" wollen. Die irakische Opposition steht unmittelbar vor einem Treffen im kurdisch verwalteten Arbil. Aus Washington kommt die beinharte Botschaft, dass die Ernennung einer provisorischen Regierung nicht erwünscht sei.

Dass gerade Feith die neuen Nach-Irak-Pläne verkündete, ist auffällig, weil im Verteidigungsministerium die Lobbyisten für Chalabi sitzen: US-Außenministerium und CIA waren schon immer skeptisch. Ein Hinweis, dass sich nun deren Linie durchsetzt, ist im Besuch von Washingtons Irak-Sondergesandten Zalmay Khalilzad am Dienstag bei Adnan Pachachi in Abu Dhabi zu sehen. Khalilzad, Afghane, war auch schon Präsidentenmacher in Afghanistan, nun soll er offensichtlich eine Figur für den Irak finden, die auch für das sunnitische Establishment im Irak akzeptabel ist.

Pachachi war in den 60er-Jahren vor der Baath-Machtübernahme Iraks Botschafter bei der UNO in New York und irakischer Außenminister, er gilt als integer, einer, "der sich seine Flugtickets und Hotelrechnungen selbst bezahlt", wie es bei Irakern heißt, denen die US-gesponserten Chalabi und Konsorten unangenehm sind. Die Washingtoner Chalabi-Lobby hat jedoch schon zum Gegenschlag ausgeholt und macht fast dreißig Jahre alte Wortmeldungen Pachachis gegen Israel und gegen die Eigenstaatlichkeit Kuwaits gegen ihn geltend.

Pachachi, fast 80, wäre nach eigener Aussage bereit, eine integrative Rolle zu übernehmen, es wäre, mit Afghanistan verglichen, eher die des Königs als die Karsais. Gerade die Erfahrungen in Afghanistan dürften indes zur Strategieänderung der USA für den Irak geführt haben: Die Aufteilung von Macht und Kontrolle zwischen Karsai, kämpfender US-Truppe und internationaler Friedenstruppe Isaf funktioniert nicht. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 22/23.2.2003)

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