Böhler erster Privatisierungskandidat

21. Februar 2003, 17:37
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Schwarz-blau wird Verstaatlichten-Kurs fortsetzen - Edelstahlkonzern soll an institutionelle Investoren verkauft werden - Probleme bei der Post

Wien - Die kommende schwarz-blaue Koalition wird ihren bisherigen ÖIAG-Kurs vermutlich unverändert fortsetzen, was eine Auflösung der Verstaatlichtenholding ÖIAG in vier Jahren bedeuten würde. Erster Privatisierungskandidat sei der Edelstahlkonzern Böhler-Uddeholm (BU), an dem die ÖIAG 25 Prozent hält, erfuhr der Standard aus Regierungskreisen.

Gewinndelle

Das besser als von Analysten erwartet ausgefallene vorläufige Jahresergebnis für 2002 dürfte dabei hilfreich sein - obwohl BU eine Gewinndelle ausweist: Das Betriebsergebnis (Ebit) fiel von 132,1 auf 111,9 Mio. Euro, der Umsatz um fünf Prozent auf 1,441 Mrd. Euro. Der Vorsteuergewinn (EGT) schrumpfte gegenüber dem Rekordjahr 2001 um 23 Prozent auf 82,1 Mio. Euro.

Verkauf an institutionelle Investoren

Noch wartet die ÖIAG auf die Privatisierungsliste des Ministerrats, in Unternehmenskreisen heißt es jedoch, es seien weit und breit keine Käufer für den Weltmarktführer für Werkzeugstahl in Sicht. Die Aktionärsgruppe rund um den Badener Anwalt Rudolf Fries und Palmers-Boss Rudolf Humer (derzeit 25 Prozent) dürfte als Käufer nicht infrage kommen, weil sonst ein teures Übernahmeangebot an alle anderen Aktionäre fällig wäre. Bleibe angesichts der tristen Börsensituation nur der Verkauf an institutionelle Investoren. Damit könne sich auch die ÖIAG anfreunden, heißt es.

Knackpunkt bei den Regierungsverhandlungen mit SPÖ und Grünen waren auch die ÖIAG-Beteiligungen Post und Telekom. Beide wollten dem Totalverkauf aller ÖIAG-Beteiligungen bis Ende der Legislaturperiode nicht zustimmen. Bis auf die ÖBB kämen alle staatlichen und staatsnahen Unternehmen unter den Hammer, berichtet SP-Budgetsprecher Christoph Matznetter über die VP-Positionen in den Verhandlungen.

Probleme bei der Post

Bei der Post spießt es sich aber gewaltig. Geht es nach Finanzminister Karl-Heinz Grasser, sollten zumindest 50 Prozent plus eine Aktie an die ihrerseits mehrheitlich im Staatsbesitz stehende Deutsche Post "privatisiert" werden. 25 Prozent müssen wegen 80-prozentigen Beamtenanteils im Eigentum der Republik bleiben, es sei denn, sie würden in die Hoheitsverwaltung retourniert - was der Verwaltungsreform zuwiderläuft.

Leitl warnt

Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl, ein Gegner von Schwarz-Blau, warnt vor übertriebener Hast: "Industriepolitik muss Industriepolitik bleiben und nicht Verscherbelungspolitk werden", sagte Leitl. Eine der offenen Fragen sei nun die verbliebene Stärke des FP-Wirtschaftsflügels, meinte Industrie-General Lorenz Fritz. Dessen Proponent Thomas Prinzhorn habe "den internen FP-Machtkampf verloren", so Leitl. (Luise Ungerboeck, Michael Bachner, DER STANDARD, Printausgabe 22.2.2003)

  • Der heimische Edelstahl-Konzern Böhler-Uddeholm könnte schon bald an institutionelle Investoren verkauft werden.
    montage: derstandard.at

    Der heimische Edelstahl-Konzern Böhler-Uddeholm könnte schon bald an institutionelle Investoren verkauft werden.

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