Der zerrissene Kakadu

20. Februar 2003, 22:18
1 Posting

Klapka, ein glamouröser Wiener Gelbhaubenkakadu und ein Ehrenbeleidigungs-Prozess zweier Kakadu-Liebhaberinnen

Wien - Es ist dies die Geschichte von Klapka, einem glamourösen Wiener Gelbhaubenkakadu mit Residenz in Altaussee. Über die 550 Mitglieder zählende Arge Papageienschutz und deren beliebte Vereinszeitung Papageien-News führt uns der Weg ins Straflandesgericht. Dort treffen zwei Kakadu-Liebhaberinnen bei einem Ehrenbeleidigungsprozess aufeinander. "Es ist ein Krieg auf Biegen und Brechen", warnt einer der Anwälte.

Biologin Nadja übernahm den Vogel

Klapkas Besitzer starb. Biologin Nadja übernahm den Vogel. Sie ist eine Stütze des Vereins, der sich um die tiergerechte Haltung von Papageien kümmert und auch Partnervermittlungen (der Vögel) durchführt. Dazu muss man wissen, dass Papageien "ausgesprochen soziale, monogame, in Einehe lebende Vögel" sind. Der "menschliche Ersatzpartner" könne einen Artgenossen nicht ersetzen.

Nun, Frau Nadja versuchte es mit Jojo, einem an sich hübschen Molukkenkakadu - leider schwer verhaltensgestört. Immer wenn er Klapka sah, hackte er sich selbst "autoaggressiv" in die Brust und verletzte sich. Das war natürlich liebestötend. Als Jojo vom Tierarzt ein Korsett verpasst bekam, war die Sache gelaufen.

Spät bemerkte man, dass Klapkas Erbsache nicht geklärt war. Denn plötzlich trat Vermittlerin Renate in Erscheinung und forderte die Herausgabe des Kakadus an dessen neuen Besitzer. Frau Nadja weigerte sich. Immerhin war Klapka drei Monate auf Vereinskosten gepflegt worden. Frau Renate erhöhte den Druck, drohte mit Prozessen und holte den Vogel zurück. Dafür musste sie sich in der jüngsten Ausgabe der Papageien-News "Intrigen, Verleumdung und Entziehung von Spendengeldern" nachsagen lassen. Tat sie aber nicht - und klagte. Der Prozess geht Ende März erst so richtig los. (Daniel Glattauer, DER STANDARD Printausgabe 21.2.2003)

Share if you care.