Stolz, Unfug und Hysterie

25. Februar 2003, 19:01
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21.2.2003 - Hysterisch wie ein Ertappter, dem das Kartellrecht zum Hals heraushängt, reagiert "NEWS" immer, wenn ...

... DER STANDARD gelegentlich Wissenswertes über die Formil-Fusion und ihr mögliches Nachspiel berichtet. Hysterisch wie ein Ertrinkender, dem das Wasser bis zum Hals steht, hätte DER STANDARD auf Insider-Informationen in NEWS reagiert, wonach Mitgesellschafter "Süddeutsche" den Ausstieg überlegt, behauptete der Dichter des dieswöchigen editorial. NEWS liegen nämlich die Details - Daten und Inhalte - von zwei Sitzungen des "Süddeutschen Verlages" vor, in denen sowohl die dramatische Situation beim "Standard" als auch die Möglichkeit eines Verkaufs der Anteile ausdrücklich besprochen wurde.

Schade, dass "NEWS" mit Details, die es angeblich vorliegen hat, so wenig anfangen kann. Eine dramatische Situation beim "Standard" konnte schon mangels einer solchen nicht besprochen werden, über die Möglichkeit eines Verkaufs von Anteilen der "Süddeutschen" hingegen wurde gesprochen - in dem Sinne, dass eine Trennung vom STANDARD ausdrücklich nicht infrage komme.

Daher ließ auch das Management der "Süddeutschen" über den STANDARD nur trocken ausrichten, der "NEWS" -Bericht sei "falsch" und "grober Unfug". Statt wenigstens nachträglich zu versuchen, dem Unfug etwas Substanz zu verleihen, tat der Editorialist das, was er gern tut, wenn ihn die Beweislast drückt - er wiederholte den Unfug und flüchtete in Eigenlob: NEWS ist stolz darauf, in der Medienberichterstattung führend zu sein.

Das hat nicht viel zu bedeuten. In seiner Firma ist man ja auch stolz darauf, dass der Herausgeber seit Wochen versucht, hysterisch wie ein Busenfetischist, dem das Silikon bis zur Schädeldecke steht, seine Pamela-Anderson-Neurose zur höheren Ehre eines Baumeisters auf das Publikum zu übertragen. Als bestes Beispiel dafür, wie führend "NEWS" in der Medienberichterstattung sei, sollten laut editorial die geheimen Briefe der Anwälte von Dichand und WAZ zum Showdown bei der "Kronen Zeitung" herhalten.

Dabei handelte es sich um Angeberei `a la "NEWS". Die Briefe der Anwälte entpuppten sich als ein Brief eines Anwaltes, und was sollte daran geheim sein, wenn er zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt wurde? Auch an den sensationell angekündigten Showdown im Krone-Gefecht am kommenden Donnerstag glaubt "NEWS" selber nicht so recht.

Einerseits: Ob Schumann in der Staatsoper schon mit dem einen oder anderen Gläschen Champagner auf den Sieg im seit Wochen gegen Dichand erbittert geführten Kampf anstoßen kann, ist mehr als fraglich. Andererseits: Fix ist hingegen, dass kommenden Donnerstag im Kampf der beiden "Krone"-Hälfteeigentümer der finale Showdown steigt. Einerseits: Konkret wollen die WAZ-Mannen Hans Dichand nächsten Donnerstag mit einer ganzen Palette von Vorwürfen in die Enge treiben, um seinen Rückzug zu erzwingen. Andererseits ist de facto auszuschließen, dass bei der kommenden Gesellschafterversammlung schon irgendeine Entscheidung über den weiteren Verbleib von Hans Dichand im "Krone"-Imperium fallen wird. Kurz: Was immer vielleicht passiert - "NEWS" wird wieder einmal in der Medienberichterstattung führend gewesen sein. Und stolz.

Nur von dem, was unsereinen an Krone brutal am stärksten bewegt, weiß "NEWS" nichts zu enthüllen: Bleibt uns Hans Dichand wenigstens als Cato erhalten? Dass er als Chefredakteur gegangen ist, war ein schwerer Schlag, aber der Filius vertritt ihn würdig. Der ließ sich gestern im Sportteil abbilden. Mit der linken Hand hielt er wie ein altgedienter Kolporteur die "Krone" von gestern (weil guter Aufmacher: Blutbad auf offener Straße!) vor sich, mit der rechten Hand einen Herrn Didi Kühbauer von sich, der den Austräger mit schreckgeweiteten Augen anstarrte, als gelte das Blutbad ihm. Noch etwas verkrampft, der Junior, aber zwanzig Jahre den Hund streicheln, und es wird schon.

Auf Cato verzichten zu müssen ist freilich unvorstellbar. Erst Sonntag ist ihm zur Krise um den Irak Tiefes eingefallen: Rapallo . . . Wer weiß schon, warum? In Rapallo, einer schönen Stadt an der ligurischen Riviera, wurde am 16. April 1922 ein Vertrag zwischen Deutschland und Russland abgeschlossen. Aber was half 's? Es war ein Irrweg, denn zwischen Deutschland und der Sowjetunion war ein friedlicher Ausbau freundschaftlicher Beziehungen nicht möglich. Da war Adolf vor, aber was Cato eigentlich zu den Risken eines Irakkrieges sagen wollte: Das Bestehen einer kompakten Mehrheit gegen den Krieg bei uns ist die Antwort. Danke, und nur noch eins: Den Dichand kann die WAZ haben, aber ohne Cato verstünden wir die Welt nicht. Gnade!
(DER STANDARD, Printausgabe, 21.2.2003)

Von Günter Traxler
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