Räumkommando "Sauhaufen"

20. Februar 2003, 21:04
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Michael Häupl macht nochmals klar - die Stadt will den Bau in Wien-Mitte -es kommen vier Türme oder ein Alternativprojekt

Wien/Rust - Wenn Harald Weiss, Bürgermeister von Rust, den Wiener Gästen erzählt, wie er bei den jüngsten Wahlen eine SP-Absolute errungen hat und mit absoluter Mehrheit "sogar im ersten Wahlgang gewählt" wurde, dann springt die Adrenalinpumpe der Zuhörer zum ersten Mal an. Wenn dann sein Kollege Michael Häupl ihn am Rednerpult ablöst, arbeitet die Pumpe auf Hochtouren: "Beim Konvent in Brüssel bereiten die nicht weniger vor als eine Verfassung für Europa. Die reden über uns - und irgendwie denk' ich mir: Das könnt' doch interessant sein."

Dann eine leidenschaftliche Rede zum Projekt Bahnhof Wien-Mitte: "Da hören die Touristen, Wien ist leiwand, sie haun sich in den Flieger, kommen an - und dann steigen sie in diesem Ratzenstadel aus. Es ist verdammt noch einmal wichtig, dass dieser Sauhaufen beseitigt wird."

Wien werde jedenfalls sicher nicht "die Entscheidungshoheit aus der Hand geben" und jedes Projekt "bis zum Kanaldeckel von Icomos und Unesco bewerten lassen". Wieder kündigte Häupl an, notfalls "blitzartig ein Alternativprojekt mit privaten Investoren" zu organisieren".

Was aber - vorerst - nicht nötig sein dürfte. Denn parallel zur Brandrede des SP-Bürgermeisters pro Wien-Mitte hat die Bauträger Austria Immobilien (BAI) verkündet: "Wir denken nicht daran, von dem Projekt zurückzutreten, ganz im Gegenteil", so Sprecherin Christa Danner. Es seien noch Gespräche im Laufen, in denen über die technische Umsetzbarkeit der Vorstellungen der Denkmalschützer beraten werde. Bis Mitte März erwarte man ein Ergebnis. Die Sorge sei, dass die vorgeschlagene Höhenreduktion "zu einem dicken, massiven, unschönen" Gebäudekomplex an einem der wichtigsten zentrumsnahen Standorte" führe. Auch die Wirtschaftlichkeit des Projekts stehe infrage.

Senioren und Kultur

Ein weiterer Schwerpunkt bei der Klubklausur ist die Durchleuchtung der Stadt im Hinblick auf die Bedürfnisse von Senioren. Hier müsse man in der Verwaltung reagieren, kündigte Häupl den Wechsel der Sozialagenden von Vizebürgermeisterin Laska zu Stadträtin Pittermann an (DER STANDARD berichtete).

Dazu noch ein Kulturschwerpunkt: Der geplante Umbau des Karlsplatzes zu einem "Kunstplatz" - und die Vorbereitungen für das Mozartjahr 2006. Häupl: "Es heißt, dass es in Wien mehr Todes- als Geburtstage zu feiern gibt - aber das widerspricht meiner inneren Logik, dass es mehr Tote als Geborene geben soll." Häupl will für das Mozartjahr auch "lernen, was uns die Grazer vorgemacht haben. Was die in Sachen Marketing geleistet haben, ist vom Feinsten."

2006 soll die neue Theaterorganisation stehen, erläuterte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny: Im Theater an der Wien werden ab dieser Zeit nur Opern gespielt - 2006 jene von Mozart; im Raimund-Theater nur Musicals und im Ronacher "gehobenes Unterhaltungstheater". Wobei zu klären sei, ob das damalige Umbaukonzept von Coop Himmelb(l)au doch umgesetzt wird. (aw, frei, DER STANDARD Printausgabe 21.2.2003)

Bei der SP-Klausur in Rust machte Michael Häupl nochmals klar: Die Stadt will den Bau in Wien-Mitte. Jedenfalls werden dort die vier Türme oder ein Alternativprojekt errichtet. Gebaut wird auch am "Kunstplatz Karlsplatz", die Theater erhalten eine neue Organisation.
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    Baustelle am ersten Turm im Bereich des Bahnhof Wien-Mitte

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