USA: Klage wegen IPO-Betrugs stattgegeben

20. Februar 2003, 19:37
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Investoren sind leeren Internet-Bubble-Versprechungen aufgesessen

Das Bundesgericht in New York hat einer möglicherweise beispielgebenden Klage statt gegeben, berichten US-Medien am Donnerstag. Tausende Investoren können nun gegen Banken, andere Emittenten und tausende Einzelpersonen gerichtlich vorgehen, weil sie im Zuge der Internet-Blase von leeren Versprechungen getäuscht wurden. Richterin Shira A. Scheindlin, bekannt für pikante Fälle, begründete ihre Entscheidung damit, dass die Kläger "ein kohärentes Schema präsentiert haben, welches zeigt wie die Angeklagten bei diversen IPOs Investoren und Öffentlichkeit betrogen haben". Zu diesen Praktiken zählten unter anderem Falschinformation, geheime Abfindungszahlungen und Bestechung von Analysten, um die neuen Aktien künstlich zu pushen.

Insgesamt wurden 309 IPOs, darunter Unternehmen wie theglobe.com, MP3.com oder Global Crossing untersucht

Wenn die Anschuldigungen stimmen, widersprechen sie allen derzeit gültigen Wertpapiergesetzen und würden diese zu einer Farce verkommen lassen, so die Richterin. "Wenn Insider ihre privilegierte Position ausnützen betrügen sie in zweifacher Weise: Erstens haben sie den Markt manipuliert und zweitens haben sie diese Manipulationen mit Lügen und Unterlassungen überdeckt." In ihrem 238-seitigem Spruch habe sie die Ansprüche und Begehren von über 1.000 Rechtsstreitigkeiten zwischen 11. Januar und 6. Dezember 2001 berücksichtigt. Die Kläger verwiesen darauf, dass der Wert ihrer Beteiligungen eben durch diese Betrügereien erheblich gesunken sei. Insgesamt wurden 309 IPOs, darunter Unternehmen wie theglobe.com, MP3.com oder Global Crossing untersucht.

Zu den Angeklagten gehören 55 Banken, 309 Emittenten und tausende Einzelpersonen. Zu den Banken zählen unter anderem J.P. Morgan, Salomon Smith Barney, Credit Suisse First Boston und Morgan Stanley. Auch die US-Börsenaufsicht SEC ermittelt bereits seit einem Jahr wegen illegaler IPO-Praktiken. Die Credit Suisse First Boston hat bereits 2001 eine Strafe in der Höhe von 100 Mio. Dollar entrichtet. (pte)

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