Illegale Waffen "unkontrollierbar"

21. Februar 2003, 16:35
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Auf den großen Parkplätzen vor Einkaufszentren blüht der Schwarzmarkt - den Behörden ist die Kontrolle nahezu unmöglich

Wien - Eine tschechische Klein-Maschinenpistole, System Skorpion, und eine ältere russische Militärpistole - der Täter des Wiener Gewaltverbrechens (siehe Artikel "Endgültige Lösung" einer Beziehung) dürfte nach Erkenntnis der Polizei die Schusswaffen bereits seit Jahren besessen haben. Illegal. Die MP fällt in Österreich überhaupt in die Kategorie "verboten". "Der Schwarzmarkt ist unkontrollierbar", heißt es dazu bei der Polizei.

Umschlagsplatz

Bis vor wenigen Jahren galt vor allem der Mexikoplatz in der Wiener Leopoldstadt als Umschlag für sämtliche Schmuggelware. Das Angebot in der Umgebung der Anlegestelle für die Donauschifffahrt reichte von Zigaretten über Alkoholika bis hin zu Schusswaffen. Doch ständige Schwerpunktkontrollen von Polizei und Zollwache vertrieben die Szene. Der illegale Reibach geht heute auf den großen Parkplätzen vor Einkaufszentren über die Bühne. Den Behörden ist es unmöglich, zum Beispiel die riesigen Flächen vor der Shopping City Süd ständig zu kontrollieren. Kamerasysteme zur flächendeckenden Überwachung werden diskutiert.

Begehrte Sammlerstücke

Der illegale Waffenhandel wird vor allem aus alten Militärbeständen aus dem Osten beliefert. Nach dem Zerfall der UdSSR und den Kriegen am Balkan blieben Hunderttausende Schusswaffen in Privathänden. Manche Objekte wie die vom tschechischen Konstrukteur Miroslav Rybar entwickelte Skorpion sind begehrte Sammlerstücke. In der Vergangenheit wurde die Skorpion zudem immer wieder als "Hauswaffe der Killer" bezeichnet. Die kompakte Maschinenpistole lässt sich unter einer Jacke verstecken, als Munition werden gängige Pistolenpatronen verwendet. Die einfache Anwendung erlaubt Einzel- oder Dauerfeuer.

Im September 1994 wurde in Wien der russische Mädchenhändler Sergej Hodscha-Achmedov mit einer Skorpion "hingerichtet", eineinhalb Jahre später ein mutmaßlicher Schmugglercapo. Auch der italienische Premierminister Aldo Moro, der 1978 von der Terrororganisation "Rote Brigaden" entführt und ermordet wurde, starb im Kugelhagel einer Skorpion. (simo, DER STANDARD Printausgabe 21.2.2003)

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    Klein-Maschinenpistole "Skorpion"

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