Ein Dach für die Kleinen

20. Februar 2003, 18:51
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Mit der Herkunftsvermarktung gewinnen die kleinen Weinbauern - Von Karin Bauer

Die winzige und atomisierte heimische Weinwirtschaft hat ihren Rettungsanker in die riesigen Weinseen aus der Neuen Welt und den großen europäischen Anbaugebieten geworfen: Sie startet jetzt auch eine Herkunftsvermarktung. Eine Sorte pro Region - etwa der Grüne Veltliner im Weinviertel - trägt das Siegel DAC (Districtus Austriae Controllatus). Damit findet sich der oft verächtlich "einfacher Konsument" genannte Weintrinker besser zurecht als mit zigtausend unterschiedlichen Etiketten, von denen ein paar Hundert auch "Veltliner" heißen und die irgendwoher kommen. Damit hat die Mehrheit der heimischen Weinwirtschaft auch ein besseres Exportargument, weil mehr Volumen unter einem DAC-Dach vorhanden ist. Kein deutscher Händler listet 300 Flaschen Purbacher Cuvee ohne Liefersicherheit.

Das brauchen die Winzer aber dringend, denn von den 32.000 Betrieben füllen nur 6000 in Flaschen ab, der große Rest sind Traubenlieferanten, Nebenerwerbswinzer mit klitzekleinen Anbauflächen und Traubenpreisen, die unter Druck stehen.

Die paar Dutzend Promi-Winzer, die sich um ihre Vermarktung nicht mehr sorgen müssen, können - und werden - den Unterschlupf DAC auslassen. Anderen Spezialisten tut DAC auch nicht weh, wer im Weinviertel Blaufränkisch Barrique ausbaut, muss seine Weingärten ja nicht ausrupfen - Spezialitäten werden weiter dort wachsen, wo Liebhaber sie dann kaufen.

Die neun Weinbauregionen werden noch tüchtig über ihre Sortenauswahl für das DAC-Dach streiten - das sollen sie auch. Gewonnen haben jetzt aber schon Tausende kleine Weinbauern und auch Ex-Wien-Marketingchef Bertold Salomon, selbst prominenter Winzer. Er hat vor sieben Jahren zur Herkunftsvermarktung gedrängt - und wurde damals fast gesteinigt. (DER STANDARD, Printausgabe 21.2.2003)

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