Finalisten im STANDARD-Interview: "Bei uns geht es schon lange nicht mehr ums Können"

23. Februar 2003, 19:03
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Bei "Starmania" zählt die Sympathie mehr als der Gesang, sind sich Christina Stürmer, Michael Tschuggnall und Boris Uran einig.

STANDARD: Was macht aus eurer Sicht einen Popstar aus: Sympathie oder Gesang?

Christina Stürmer: Ich sag' einmal: Gesang ist sehr wichtig, nur wie man anhand mancher Popstars sieht, geht es nicht nur darum. Bei diesen typischen "Püppchen" wie Britney Spears geht es um Aussehen und Sympathien. Auch bei uns geht es nicht mehr um Gesang. Unter den zwölf Kandidaten waren viele gute Leute, die zu bald gegangen sind. Bei uns zählt jetzt die Sympathie.

Michael Tschuggnall: Ich glaube, es geht schon lange nicht mehr ums Können. Es ist nie wirklich darum gegangen. Am ehesten in der Qualifikation.

Boris Uran: An heutigen Beispielen, wie Eminem, merkt man, dass Sympathie nicht unbedingt notwendig ist. Keiner kann ihn leiden, aber trotzdem kaufen viele seine Musik.

STANDARD: Glaubt ihr, dass die Anrufer durch Kommentare von Universal-Chef Bogdan Roscic beeinflusst werden?

Christina: Wir legen eigentlich alle auf die Kommentare von Bogdan großen Wert. Ich glaube nicht, dass sie für das Publikum zu Hause von großer Bedeutung sind.

Michael: Erstens sind sie seit den letzten vier Sendungen nicht mehr negativ ausgefallen, zweitens haben die Leute ihre eigene Meinung.

STANDARD: Schaut ihr euch privat Realityshows an?

Michael: Ich schaue mir eigentlich fast alle Shows an, bis auf die, wo ich dabei bin. Ich glaube, ich würde sterben, wenn ich mich singend anschauen müsste.

STANDARD: Wie findet ihr "Deutschland sucht den Superstar" verglichen mit Österreichs "Starmania"?

Michael: Ich schaue mir diese Sendung immer an. Es ist komisch, die Menschen zu sehen, die uns völlig unbekannt sind, aber trotzdem genau zu wissen, wie sie sich fühlen. Wir sind im Prinzip in der gleichen Situation. Sie haben aber mindestens den gleichen Stress wie wir. Ganz objektiv gesehen gefällt mir unsere Sendung besser, weil sie ein bisschen "wärmer" ist. In Deutschland ist alles ein bisschen "kalt".

STANDARD: Gehören "Weinkrämpfe zur Tagesordnung", wie ein Coach in einem Interview sagte?

Michael: Es ist sicher nicht mehr so locker, wie es am Anfang war.

Aber Weinkrämpfe jeden Tag, das ist auch nicht der Fall. Es gibt hin und wieder stressige Situationen, und da ist es schon geschehen, dass wer auszuckt, aber Weinkrämpfe gibt es nicht.

STANDARD: Was haltet ihr von den Friendshiptickets?

Christina: Es ist schwer, sie zu vergeben. Du musst in einer so kurzen Zeit über die Karriere von einem Menschen bestimmen. Das ist für jeden ziemlich hart.

Michael: Die Friendshiptickets waren natürlich ein super Instrument für die Einschaltquoten. Es waren angeblich immer genau dann die meisten Zuschauer. Die Leute wollten sehen, wie einer von uns rausgeschmissen wird und wie das in die Hände der Kandidaten gelegt wird. Für uns selber ist es schon blöd gewesen, weil wir jemanden rauswählen mussten. Es ist immer auf uns zurückgefallen, wieso wir diese Entscheidung getroffen haben. Ich bin so froh, dass es das jetzt nicht mehr gibt.

STANDARD: Boris, du hast das Friendshipticket zweimal bekommen. Wie hast du dich gefühlt?

Boris: Das war nicht einfach, vor allem nach dem zweiten Mal. Das Schwierigste ist sowieso, wenn du den Glauben an dich selbst verlierst. Und da war ich kurz davor. Aber ich war froh, dass ich meine Freunde und die Familie hatte, die mich mit aller Kraft unterstützten.

STANDARD: Christina, rechnest du dir ernsthafte Chancen aus, bald ins Musikbusiness einzusteigen?

Christina: Ich glaube, dass die Chancen, international bekannt zu werden, gering sind, dafür ist der Markt in Österreich zu klein. Ich will den Durchbruch zunächst in Österreich schaffen, vielleicht kann ich dann von Deutschland aus doch eine internationale Karriere starten. Irgendwie kann ich mir das aber gar nicht vorstellen. Wir lassen es einmal auf uns zukommen.

STANDARD: Du hast vor kurzem gemeint, dass du gar kein Star sein willst ...

Christina: Ich war von Anfang an mit dieser Einstellung dabei. Unter "Popstar" verstehe ich etwas Internationales, und wer "Starmania" gewinnt, ist nicht von heute auf morgen ein internationaler Star. Ich will auch nicht von heute auf morgen bekannt sein.

STANDARD: Stört dich, dass dein Privatleben aufgerollt wird?

Christina: Ja. Ich sag' einmal: Österreich muss nicht alles wissen. Außerdem bist du ja auch wieder uninteressant, wenn du dein ganzes Leben erzählst.

STANDARD: Boris meinte einmal, Christina wird gewinnen. Gilt das so knapp vor dem Finale auch noch?

Boris: Es ist jetzt schwierig Prognosen abzugeben. Ich habe am Anfang gesagt, dass die Christl gewinnt, aber das haben viele gesagt. Sie war immer ein großer Favorit und ist es immer noch. Ganz ehrlich gesagt ist mein persönlicher Favorit der Michi. Meiner Meinung nach hat sich durch die Shows gezeigt, dass er das meiste Starpotenzial hat. Er kann singen, was er will und es ist immer gut.

STANDARD: Rechnest du den anderen mehr Chancen aus als dir selbst?

Boris: Ich bin eigentlich Optimist, und außerdem glaube ich sehr an mich. Trotzdem bin ich doch nicht mein eigener Favorit! Das fände ich total komisch.

STANDARD: Was würdet ihr von einer zweiten Staffel "Starmania" halten?

Boris: Ich fände das sehr gut, weil ich der ehrlichen Überzeugung bin, dass Österreich ein unglaubliches Potenzial hat. Bei einer zweiten Staffel wird die Hölle los sein. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.2.2003)

Isabella Hager, Louise Beltzung und Bettina Reicher haben mit den drei Finalisten gesprochen.
Isabella Hager und Louise Beltzung sind Mitarbeiterinnen des "SchülerStandard". Das Interview führte zusammen mit ihnen STANDARD-Mitarbeiterin Bettina Reicher.
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