"Starmania": Finale folgt "Lawine" der Vermarktung

20. Februar 2003, 20:15
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Schon vor dem Finale des Wettsingens macht die Plattenfirma Edelmetall in Serie. Das "dicke Ende" folgt. Der Plagiatsvorwurf gegen den ORF ist unterdessen noch nicht ausgeräumt.

Elton John hasst Formate wie "Starmania". Der britische Barde beklagte diese Woche, Bewerber von Castingshows würden "verheizt", selbst Popstars müssten "ihre Hausaufgaben machen, durchs Land touren, auf Bühnen stehen, Charisma entwickeln".

Bogdan Roscic sieht das naturgemäß anders: Der frühere Ö3-Chef und heutige Manager von Universal Music Österreich hat mit den ersten CDs zu "Starmania" schon dreimal Gold gemacht, das für jeweils 15.000 verkaufte Tonträger vergeben wird. Weiteres Edelmetall ist in Griffweite und Platin nicht mehr aus der Welt. Nicht zuletzt dank der ORF-Castingshow kam Universal laut Roscic im Jänner auf Markt- und Chartanteile nur knapp unter 50 Prozent: "Das hat es noch nie gegeben."

Einen Favoriten hat er "nicht mehr": "Wer auch immer gewinnt", mit allen drei Finalisten will er weiterarbeiten. Die erste CD des Siegers kommt Mitte März an einem Freitag, wie "Starmania", das auch nach dem Finale im Fernsehen und auf Tournee noch weitergezogen wird.

"Dickes Ende"

Weiter zieht auch Roscic: "Wie immer kommt das dicke Ende zum Schluss", so auch in seiner Vermarktung. Eine ganze "Lawine von Sachen" steht den werten Käufern noch ins Haus, bis hin zur "Leider nein"-DVD.

Christina Stürmer, Michael Tschuggnall und Boris Uran, jene drei letztverbliebenen Kandidaten von "Starmania", haben - frei nach Sir Elton - seit Anfang November Hausaufgaben gemacht, sie sind durchs Land getourt, haben auf Bühnen gestanden und zweifellos gewisses Charisma entwickelt.

Zur Freude des ORF - über ungeahnte Marktanteilshöhen nicht nur bei den Jüngsten, die er mit dem Spektakel locken wollte. Erfinder Mischa Zickler verwies zuletzt im STANDARD-Interview auf 71 Prozent Marktanteil bei den 12- bis 49-Jährigen. Zuseher zuletzt: mehr als eine Million.

Zielvorstellungen für das Finale sind dem Küniglberg schwerer zu entlocken. Aber, so Pressesprecherin Britta Balt: "Über mehr als 1,2 Millionen Zuschauer würden wir uns freuen." Die Quoten steigen seit Bestehen linear an, der Wert sollte also zu schaffen sein.

Die Entscheidung Freitagabend wird sich ziehen: Gleich fünfmal gibt es "Starmania" ab 20.15 Uhr. Der ORF umschifft so elegant das gesetzlich festgelegte Verbot von Unterbrecherwerbung. Das letzte Voting wurde gegen 22.10 Uhr angesetzt. Realistischerweise - bis jetzt wurde noch jedes Mal überzogen - sollte gegen 23 Uhr alles entschieden sein.

Dass man sich insgesamt mit dem Format in legale Grauzonen begeben hat, weist die Anstalt seit Anbeginn hartnäckig zurück.

"Verdammt ähnlich"

Allzu üppiges Product-Placement strich man wie berichtet schon freiwillig als Konzession an die Konkurrenz. Aber der Vermarkter der RTL-Version "Deutschland sucht den Superstar", Grundy Light Entertainment, überprüft nach wie vor rechtliche Schritte wegen Abkupferns gegen den ORF: "Es sieht verdammt ähnlich aus", meint Grundy-Manager Christian Körner auf STANDARD-Anfrage. "Jeder, der das gesehen hat, sieht den Unterschied ganz eklatant", behauptet hingegen ORF-Programmchef Reinhard Scolik und beruft sich unter anderem auf das nur im ORF gebräuchliche "Friendship^ticket". Außerdem habe man das Format vorher von der hauseigenen Rechtsabteilung prüfen lassen. Scolik: "Die hatten keine Bedenken."

Prognosen, wer gewinnen wird, will von offizieller Seite keiner geben. Im STANDARD- Voting (derStandard.at) führt Christina, auf der ORF-Homepage dominieren die Sympathien für Michael und Boris. Scheidet der Kärntner aus, hätte er die Schlussmelodie bereits parat: "Sorry Seems to be the Hardest Word". Das Original für Boris' Einlage stammt übrigens von Elton John. (Doris Priesching, Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 21.2.2003)

  • Kompetitives Singen bringt Kassen zum Klingen: Gold für erste "Starmania"-CDs, Platin rückt in Sichtweite.
    foto: orf

    Kompetitives Singen bringt Kassen zum Klingen: Gold für erste "Starmania"-CDs, Platin rückt in Sichtweite.

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