Börsenkrise Akt "kreativer Zerstörung"

20. Februar 2003, 15:03
5 Postings

Oberster Finanzmarktaufseher Grünbichler: Nach Spekulationsblase "Spreu vom Weizen geschieden"

Wien - Vor einem "Sog negativer Übertreibungen" an den Aktienbörsen warnt der Vorstandsdirektor der Finanzmarktaufsicht (FMA), Andreas Grünbichler, "nach der Welle optimistischer Übertreibungen Ende der neunziger Jahre". Bei einem Vortrag in der Wirtschaftskammer Österreich plädierte Grünbichler dafür, trotz weltweiter Börsenkrise "eine realistische Einschätzung über die Zukunft auf den Finanzmärkten zu bewahren". Obwohl die seit Frühjahr 2000 anhaltende Flaute die zweitlängste seit 1945 sei und die Kursverluste die zweitschlimmsten nach dem Jahrhunderteinbruch 1929, "führt auch künftig kein Weg an den Kapitalmärkten vorbei", sagte Grünbichler in Wien.

In der derzeitigen Börsenkrise sieht Grünbichler - in Anlehnung an den berühmten österreichischen Nationalökonomen Joseph Schumpeter mit Blick auf die Kursstürze in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts - einen Akt "kreativer Zerstörung". "Nur durch die Zerstörung von Projekten, die sich vor dem Bersten einer Spekulationsblase fälschlicherweise noch als aussichtsreich, innovativ und verlockend präsentiert hatten, kommt die wirtschaftliche Entwicklung letztlich voran, wird Spreu vom Weizen geschieden, Überlebensfähiges von Fehlinvestitionen getrennt", so Grünbichler.

Nach der Börsentalfahrt der vergangenen beiden Jahre erwartet der Finanzexperte eine nur langsame Erholung der Kapitalmärkte. Die Zuwächse würden "wohl um einiges bescheidener ausfallen als in der Vergangenheit". Die Finanzmarktaufsicht werde jedenfalls sehr genau darauf achten, dass Marktteilnehmer dann mit seriösen Mitteln um Anleger werben und nicht in einem neuerlichen irrationalen Überschwang Zuwachsraten versprechen, die sie dann bei Gegenwind nicht erwirtschaften können. Risikoprämien für Aktien würden künftig wohl niedriger ausfallen, wie Grünbichler betonte.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.