Mafia kostet Süditalien 7,5 Milliarden Euro pro Jahr

20. Februar 2003, 14:22
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Organisiertes Verbrechen zersetzt italienische Wirtschaft

Rom - Der Druck der Mafia auf die Unternehmen kostet die süditalienische Regionen 7,5 Mrd. Euro pro Jahr, was 2,5 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspricht. Wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Stiftung BNC über die wirtschaftlichen Kosten der Mafia hervorgeht, wäre in den letzten 20 Jahren das BIP im "Mezzogiorno" wie jenes Norditaliens gestiegen, wenn die Mafia die süditalienischen Regionen nicht im Griff gehalten hätte. Ohne dem Druck der organisierten Kriminalität hätte Süditalien in den letzten Jahren 180.000 Arbeitsplätze schaffen können.

Die organisierte Kriminalität kommt Süditalien nicht nur wegen fehlenden Wachstums teuer zu stehen. Auch die Ausgaben für Sicherheitsmaßnahmen für Unternehmen und Kaufleute belasten die lokale Wirtschaft. 4,3 Mrd. Euro, was 3,1 Prozent des Umsatzes der von der Studie unter die Lupe genommenen 750 Unternehmen entspricht, geben die Unternehmer für Sicherheit und Schutzanlagen aus.

Unternehmer fühlen sich nicht sicher

79 Prozent der süditalienischen Unternehmer fühlten sich wegen der Gefahr des organisierten Verbrechens nicht sicher. Vor allem Kaufleute, Handwerker und Hoteliers erklärten sich wegen des Drucks der Mafia auf Regionen wie Kampanien, Sizilien und Kalabrien besorgt. 62 Prozent erklärte sich Opfer krimineller Aktionen der Mafia, die viele Unternehmer mit der Forderung von Schutzgeld erpresst.

Milliarden-Schutzgelder

Laut einer Studie des Kaufleuteverbands "Confesercenti" sind die italienischen Unternehmer und Kaufleute gezwungen, Kriminellen 60 Mrd. Euro pro Jahr zu zahlen. In Süditalien kassiere die Mafia etwa allein mit Erpressungen 20 Mrd. Euro pro Jahr. Schätzungen zufolge zahlen 160.000 Kaufleute die Kriminellenbanden, um sich vor derer Racheaktionen zu schützen.

In einigen Regionen Süditaliens wie Sizilien und Kalabrien zahlen fast 80 Prozent der Kaufleute Schutzgeld, geht aus dem "Confesercenti"-Bericht hervor. Auf Sizilien seien es 50.000 Kaufleute. Im vergangenen Jahr wurden 3.442 Personen wegen Erpressung angezeigt.(APA)

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