Rund 650.000 Österreicher/innen von Harninkontinenz betroffen

20. Februar 2003, 13:45
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Scham und Verdrängen herrschen vor

Wien - Je älter die Menschen werden, desto eher sind sie betroffen: Rund 650.000 Menschen leiden in Österreich an "Blasenschwäche", besser "Harninkontinenz". Doch Scham und Verdrängen hindern viele Patienten davon ab, Hilfe zu suchen.

"Inkontinenz ist behandelbar, verhinderbar, wenn nicht sogar heilbar. Etwa die Hälfte der über 50-Jährigen, die zum Arzt gehen, leiden an Inkontinenz. Doch fast die Hälfte von ihnen hatte darüber noch nicht einmal ein Gespräch mit dem Arzt darüber", erklärte am Donnerstag bei einer Pressekonferenz der Wiener Geriatrie-Spezialist Univ.-Prof. Dr. Franz Böhmer.

Im Sozialleben schwerstens beeinträchtigt

Immobilität, Instabilität (Stürze, etc.), Inkontinenz und intellektuelle Schwächen sind die vier "Is", welche einen Großteil der Leiden Betagter ausmachen. Die Harninkontinenz wird als Tabuthema oft verdrängt. Die Betroffenen sind in ihrem Sozialleben schwerstens beeinträchtigt. Böhmer: "Eine Einschränkung ihrer Lebensqualität durch Inkontinenz haben in Österreich rund 560.000 Frauen und 105.000 Männer." Der Anteil der Betroffenen kann in der Altersgruppe der über 85-Jährigen laut einer Untersuchung im Veneto in Italien 85 Prozent betragen, bei 90-Jährigen auch 90 Prozent.

Bereits seit 13 Jahren gibt es die "Initiative Gesunde Blase" der Medizinischen Gesellschaft für Inkontinenzhilfe, die Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit zu dem Thema macht. Der Innsbrucker Experte Univ.-Prof. Dr. Helmut Madersbacher: "Jede vierte Frau und jeder zehnte Mann müssen damit rechnen, im Laufe des Lebens inkontinent zu werden. Wir schätzen die jährlichen Kosten in Österreich auf 450 Millionen Euro. Wir geben 65 Millionen Euro für Vorlagen aus, ebenso sieben Millionen Euro für Medikamente zur Behandlung. Durch die aktive Behandlung aber ersparen wir rund ein Drittel der Kosten."

In den vergangenen Jahren haben sich die konservativen (z.B. Beckenbodentraining), medikamentösen und chirurgischen Möglichkeiten zur Behandlung der Inkontinenz wesentlich verbessert. Darauf verwies der Wiener Gynäkologe Univ.-Prof. Dr. Sepp Leodolter. Das Um und Auf aber ist der Gang zum Arzt. (APA)

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