Im Osten strahlt die Konjunktursonne

20. Februar 2003, 18:41
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Wirtschaftswachstum der Beitrittsländer hilft auch Österreichs Wirtschaft - Handelsabhängigkeit von Deutschland nimmt ab

Wien - Die EU-Erweiterungsländer im Osten trotzen der globalen Konjunkturschwäche. Sowohl die Industrieproduktion als auch die Exporte wachsen schneller als im Westen. Der Wermutstropfen bleibt die hohe Arbeitslosigkeit im Osten mit Raten zwischen 5,5 Prozent in Slowenien und 18 bis 20 Prozent in der Slowakei und Polen.

Für die Jahre 2003 und 2004 geht das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) von nahezu doppelt so hohen Wachstumsraten in Mittel- und Osteuropa im Vergleich zum EU-Durchschnitt aus.

Österreich profitiert überdurchschnittlich

An den großen Einkommensdifferenzen zwischen der EU und den Beitrittsländern wird auch die EU-Erweiterung im Mai 2004 nichts ändern, sagte WIIW-Experte Peter Havlik. Dennoch würden die positiven Wirtschaftseffekte für beide Seiten überwiegen. Österreich profitiere überdurchschnittlich vom Aufholprozess im Osten, der jährlich mit einem schnelleren Wirtschaftswachstum um zwei Prozentpunkte stabil bleiben werde.

Am deutlichsten zeigt sich dies in den österreichischen Import-/Exportbeziehungen mit den Beitrittsländern im Vergleich zum traditionellen Haupthandelspartner Deutschland. "Ganz abkoppeln werden wir uns von Deutschland nie können. Aber wir können die sehr schwache Konjunktur immer besser kompensieren", sagte Walter Koren, Leiter der Außenwirtschaftsorganisation der Wirtschaftskammer zum STANDARD.

Kräftiger Exportanstieg

Mit Zahlen belegt: In den ersten zehn Monaten des Jahres 2002 (neueste Daten) stiegen die Ausfuhren Österreichs in die Länder Mittel-und Osteuropas um 8,3 Prozent auf 10,28 Mrd. Euro. Die Exporte nach Deutschland, das permanent an der Rezession schrammt, stiegen lediglich um 1,9 Prozent auf 20,83 Mrd. Euro.

So habe sich der Exportanteil der Beitrittsländer an den Gesamtexporten Österreichs seit Anfang der 90er-Jahre von deutlich unter zehn Prozent auf 16 Prozent erhöht. "In den nächsten drei Jahren erwarten wir eine Steigerung auf 20 Prozent", so der Handelsexperte.

Verflechtung mit Deutschland verliert an Bedeutung

Die Verflechtung mit Deutschland verliere zeitgleich an Bedeutung, von derzeit rund einem Drittel Exportanteil auf wahrscheinlich unter 30 Prozent. Dennoch, betont Koren: "Deutschland wird immer unser wichtigster Handelspartner bleiben." Die Exporte in alle Mittelmeeranrainer- und Beitrittsländer zusammen hätten derzeit das gleiche Volumen wie die Ausfuhren nach Deutschland.

Im Konjunkturbild der Beitrittsländer fällt auf, dass hohe Aufwertungen der nationalen Währungen von bis zu 15 Prozent durch noch höhere Produktivitätsgewinne in der Auto-, Elektro- und Optikindustrie kompensiert werden. Das WIIW erwartet eine Erholung der Ostarbeitsmärkte erst ab Wachstumsraten von vier Prozent. 2003 liegt die durchschnittliche Wirtschaftswachstumsrate im Osten bei drei Prozent, in der EU bei 1,6 Prozent. (miba, DER STANDARD, Printausgabe 21.2.2003)

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WIIW

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    Das Wirtschaftswachstum der östlichen Reformländer liegt teils deutlich über den EU-Wachstumsraten. In der Union bremst vor allem die einstige Konjunkturlok Deutschland.

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