"Napster wurde künstlich am Leben gehalten"

21. Februar 2003, 19:13
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Songschreiber klagen Bertelsmann auf 17 Milliarden Dollar

Der deutsche Medienkonzern Bertelsmann sieht sich wegen seiner Investitionen in die ehemalige Tauschbörse Napster mit einer Milliarden-Klage konfrontiert. Zwei US-Songschreiber fordern laut Berichten des amerikanischen Wallstreet Journal eine Schadenersatzzahlung in der Höhe von 17 Milliarden Dollar.

"Jailhouse Rock"

Die beiden Musikautoren, Jerry Leiber und Mike Stoller, bekannt durch Stücke wie "Jailhouse Rock", "Hound Dog" und "Stand By Me", haben - mit Beteiligung der unabhängigen Musikverlage Peer International und Frank Music - Klage vor dem New Yorker Bezirksgericht eingereicht. Im Rahmen einer Sammelklage erhoffen sich die beiden Songschreiber, dass sich bis zu 160.000 Musikautoren beteiligen könnten.

"Künstlich am Leben gehalten"

In der Klagsschrift werfen die Autoren Bertelsmann vor, den Usern bewusst bei illegalen Copyright-Verletzungen geholfen zu haben, um so über einen großen Kundenstamm verfügen zu können. Die Investitionen des Medienkonzerns hätte Napster künstlich und damit länger am Leben gehalten und zu unzähligen Verletzungen des Copyright geführt. Die Kläger berufen sich auf interne Bertelsmann-Dokumente, die zeigen sollen, dass sich der Konzern der Illegalität der Napster-Aktivitäten bewusst war, diese aber dennoch nicht verhindert hätte.

"Unser Commitment zum Musikgeschäft ist unverändert"

Trotz dieser neuen rechtlichen Probleme und fallender Umsätze hat der Bertelsmann-Konzern bekräftigt, an seinem Musikgeschäft festhalten zu wollen. "Unser Commitment zum Musikgeschäft ist unverändert", sagte ein Sprecher des weltweitfünftgrößten Medienkonzerns am Donnerstag. Das "Handelsblatt" hatte unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, die Musiksparte BMG solle fusioniert oder verkauft werden. Mit dem britischen Konkurrenten EMI Group verhandele Bertelsmann über eine Verschmelzung zu einem neuen Unternehmen, an dem der Gütersloher Konzern nur noch 25 Prozent halten solle. "Wir kommentieren die diversen Spekulationen nicht", sagte der Bertelsmann-Sprecher dazu.

Die Leiden der Branche

Die weltweite Musikbranche leidet unter einem Umsatzrückgang und der Konkurrenz durch Raubkopien und illegale Downloads im Internet. Spekulationen über einen erneuten Anlauf für eine Fusion von BMG und EMI, die schon einmal am Widerstand der Kartellbehörden gescheitert war, gibt es schon seit mehreren Wochen. In Branchenkreisen hatte es geheißen, es gebe Kontakte, aber keine ernsthaften Verhandlungen über eine Fusion. BMG befindet sich inmitten einer Restrukturierung und hatte erst im Januar eine umfassende Umorganisation der Managementstrukturen angekündigt. Beim Ergebnis hat die Sparte in diesem Jahr die Wende geschafft und wird nach den Worten von Bertelsmann-Chef Gunter Thielen operativ wieder schwarze Zahlen schreiben.

Marktposition soll verbessert werden

Thielen hatte im vergangenen Jahr erklärt, das Musikgeschäft gehöre zum Kerngeschäft von Bertelsmann, müsse seine Position im Markt aber weiter verbessern. BMG ist auch nach der Übernahme des Musiklabels Zomba weltweit die viertgrößte Musikgruppe hinter Universal, Sony Music und Warner Music. Experten sind sich einig, dass die Musikbranche vor einer Konsolidierung steht. "Das werden noch zwei harte Jahre, in denen jeder mit jedem spricht und an deren Ende eine Konsolidierung steht. Wie die dann aussieht, wird man sehen", hatte Thielen gesagt.(red/Reuters)

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