Lindner: "Nicht Mitleid, sondern Verständnis"

20. Februar 2003, 12:46
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ORF schnürte Programmpaket für "Jahr der Menschen mit Behinderung"

Ein umfangreiches Programmpaket hat der ORF anlässlich des "Europäischen Jahres der Menschen mit Behinderung" geschnürt. "Die mediale Darstellung von Menschen mit Behinderungen ist von großer Wichtigkeit, und der ORF ist sich seiner Verantwortung bewusst", sagte ORF-Generaldirektorin Monika Lindner. "Nicht Mitleid, sondern Verständnis" stehe beim ORF-"Bündel" in allen Medien (Radio, Fernsehen, Teletext und Internet) im Vordergrund. "anders gleich: gleich anders" lautet das Motto.

"Hoher News-Stellenwert"

Im ORF gebe es ein "journalistisches Selbstverständnis" für den Umgang mit dem Thema Behinderung, betonte ORF-Informationsdirektor Gerhard Draxler. "Die Anliegen und Leistungen behinderter Menschen haben immer einen sehr hohen News-Stellenwert." Und auch die Programmdirektion widmet dem Thema breiten Raum, wenn dies auch gerade im Unterhaltungsbereich "nicht ganz einfach ist und Fingerspitzengefühl erfordert", so Programmdirektor Reinhard Scolik.

Die Programmvorhaben im Überblick

Im Fernsehen widmen sich die Magazine ("Report", "Thema", "Weltjournal" etc.) dem Thema, ebenso wie das Reportageformat "Am Schauplatz", "Willkommen Österreich", "help tv" und eine oder mehrere Diskussionsrunden in "Offen gesagt". Beiträge gibt es auch in der "Wochenschau" - die stets von einer Gebärdendolmetscherin begleitet wird - und dem Parlamentsmagazin "Hohes Haus". Im ORF Sport wird über Behindertensport berichtet.

Im "Treffpunkt Kultur" ist ein monatlicher Beitrag zu Projekten, Auftritten oder Porträts von und mit Menschen mit Behinderungen geplant. Auch die "Barbara Karlich Show", "25 - das Magazin" und "Vera" bringen das Thema aufs Tapet, und im "Musikantenstadl" ist unter anderem ein Auftritt des "No Problem Orchestra" geplant. Auch das Kinderprogramm widmet sich Menschen - und vor allem Kindern - mit Behinderungen. Darüber hinaus sind in der Programmdirektion zahlreiche Spielfilme geplant, in denen Menschen mit Behinderungen sichtbar gemacht werden, und auch in der Religionsredaktion sind Aktivitäten geplant.

Dass Behinderte "leider oft unsichtbaren Bürger" seien, will auch ORF-Hörfunkdirektor Kurt Rammerstorfer ändern. Auf Ö1 ist der Schwerpunkt "Ohne Barrieren. Neue Wege für Menschen mit Behinderungen" mit einem Symposium für Oktober 2003 geplant. FM4 und Ö3 werden ebenfalls zum Thema arbeiten.

Online: barrierefreien Zugriff angekündigt

Via ORF-Teletext werden schon jetzt mehr als 200 Fernsehstunden pro Monat für Gehörlose untertitelt. Die wiederholte Forderung nach mehr Gebärdensprache im ORF hat Generaldirektorin Lindner vernommen, "aber das ist dramaturgisch und finanziell ein großes Problem". Dennoch wolle man den Wunsch "nicht aus den Augen lassen". ORF-Onlinedirektor Ronald Schwärzler kündigte darüber hinaus neue technische Lösungen für den barrierefreien Zugriff auf die Internet- und Teletextangebote des ORF an.

Einen Wechsel gibt es demnächst in der Stabsstelle "Humanitarian Broadcasting" des ORF, wo "Licht ins Dunkel"-Gründer Kurt Bergmann die Leitung an Jörg Ruminak übergeben wird, wurde am Donnerstag angekündigt. Ruminak war bis Mitte 2001 Leiter der Hauptabteilung Kinder, Jugend und Familie und danach auf Bildungskarenz. (APA)

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