"Premiere"-Rettung perfekt

20. Februar 2003, 16:25
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Investorengruppe übernimmt deutschen Abo-Sender - Auch BAWAG beteiligt

Die Rettung des defizitären deutschen Pay-TV-Senders Premiere ist perfekt. Die Investorengruppe Permira übernahm am Donnerstag gut 65 Prozent der Anteile. "Das ist einer der schönsten Tage in meinem Berufsleben", sagte Premiere-Chef Georg Kofler.

Frisches Kapital

Auch die kreditgebenden Banken übernehmen einen Teil, darunter die BAWAG/P.S.K. aus Wien. Die neuen Gesellschafter verpflichten sich, Premiere bis zu 220 Mio. Euro frisches Kapital zuzuschießen. Damit kann der Sender nach Koflers Angaben bis zum Erreichen der Gewinnzone gut auskommen. Die bayerische Staatsregierung begrüßte die Übernahme.

Im Rahmen der Neuordnung übernehmen die HypoVereinsbank und die Bayerische Landesbank als größte Gläubiger jeweils 10 Prozent der Premiere-Anteile. Auf die österreichische Bank für Arbeit und Wirtschaft (BAWAG) entfallen 3,5 Prozent. Das Management übernahm 11,4 Prozent, Kofler hält dabei gut 10 Prozent. "Premiere soll ein fantasievolles, innovatives und profitables Medienhaus werden", sagte Kofler. In der ersten Hälfte 2004 werde der Sender operativ schwarze Zahlen schreiben.

Mittelfristig plant Kofler einen Börsengang. Dieser wäre dann auch die Gelegenheit für Permira und die Banken, Anteile zu versilbern.

"Ruinöser Zustand"

Die Verluste von Premiere waren einer der Hauptgründe für den Zusammenbruch des Kirch-Imperiums. "Die Gesellschaft war in einem sehr ruinösen Zustand", sagte Kofler. Er reduzierte die Kosten drastisch und verhandelte die Verträge mit den Hollywood-Studios neu. Durch den Sanierungskurs konnte der Premiere-Verkauf nun sogar noch vor der Veräußerung der Schwestergesellschaft KirchMedia besiegelt werden.

Die Alt-Kredite der Banken werden in eine Wandelschuldverschreibung umgewandelt. Dieses Sanierungs-Modell war in Österreich zuletzt bei der RHI angewendet worden. Die Rückzahlung soll aus künftigen Gewinnen und dem Erlös des geplanten Börsengangs stufenweise erfolgen.

Kofler sieht Premiere auf einem guten Weg. Im abgelaufenen Quartal sei der Umsatz prozentual zweistellig gestiegen. Auch die Entwicklung des Ergebnisses sei "ausgesprochen erfreulich". Im dritten Quartal war der operative Verlust bereits von 222 auf 16 Mio. Euro gesunken. Die Zahl der Abonnenten soll 2003 von knapp 2,6 Millionen zum Jahresstart auf 2,9 Millionen Kunden steigen.

Für Permira ist der Einstieg bei Premiere das erste große Geschäft in der Medienbranche. Die Gesellschaft war früher unter dem Namen Schroder Ventures bekannt und hat Standorte in Frankfurt/Main, London, Mailand und Paris. Permira zählt sich zu den führenden europäischen Private Equity-Beratungsunternehmen. Private Equity steht für die Beteiligung an nicht-börsennotierten Unternehmen.

Bayerns Medienminister Erwin Huber (CSU) wertete die Übernahme als "positives Signal für den Medienstandort Bayern". Damit stünden die 1.400 verbliebenen Arbeitsplätze bei Premiere auf einer sicheren Grundlage. Kofler mache einen hervorragenden Job bei dem Bezahlsender. (APA/dpa)

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    Georg Kofler

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