Ein zweiter Doktor

26. Februar 2003, 23:57
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Quereinsteiger Alexander Jakabb eröffnete eine Vinothek und dann noch eine

Gelernt hat Alexander Jakabb eigentlich Schiffskaufmann, kam in dieser Funktion seit früher Jugend einigermaßen in der Welt herum und fand bei diesem Anlass reichlich Gelegenheit, seinem Faible Essen und Trinken nachzugehen. "Ich hab' schon mit zwanzig das Burgund bereist, kannte alle Dreisternerestaurants", und er verlor den Kontakt zur Szene auch später nicht, als er bei einer Tageszeitung über Genussangelegenheiten schrieb und einige Gastronomen in Sachen Marketing beriet.

Im Frühling des Vorjahres wurden er und seine Kollegin Eva Deissen dann beiläufig gefragt, ob sie jemanden wüssten, der die Vinothek "Dr. Vino" in der Wiener Kettenbrückengasse übernehmen wolle, "wir überlegten kurz und fanden, dass sich das mit unserer Schreibarbeit eigentlich gut verbinden lassen müsste". Die Sache ging dann recht flott, und "weil ich ja die meisten in diesem Metier kenne", hatte er weder Schwierigkeiten, kurzfristig gute Weine aufzutreiben, noch, Importeure von edlen Bordeaux zu finden, die ihm ihre Ware in Kommission überließen. Und was sich ebenfalls rasch herausstellte: "Als Hobby geht so was nicht, das ist beinhartes Business."

Ein Fan dieser Vinothek in Naschmarktnähe, der nebenbei auch ein Haus in der Prinz-Eugen-Straße besitzt, sprach Jakabb dann vor kurzem darauf an, dass es doch gut wäre, aus dem zugkräftigen Namen "Dr. Vino" mehr zu machen, noch dazu, wo doch gerade eine interessante Location in seinem Haus frei wäre. "Und ich hab' mir das dann angeschaut, da ist das Belvedere, der ORF ist da, Hunderte Botschaften und Büros, aber kein einziges Weinlokal, nichts", weshalb also "Dr. Vino" Nummer 2 eröffnet wurde, wieder einigermaßen spontan.

Und eben weil das Publikum da so potent ist, will sich Jakabb im Gegensatz zum ersten "Dr.Vino" hier auf das spezialisieren, "was gut und teuer ist, wurscht, wie sie alle heißen". Weil eine Krise, von der man derzeit doch ab und zu einmal hört, gäbe es bei den Diplomaten ja nicht, der Absatz österreichischer Topweine ziehe nach wie vor gut an, und durch kreatives Marketing sei auch noch ganz schön viel abzufangen, so Jakabb. Weshalb er auch Champagner, Portwein und Bordeaux selbst importiert und auch die Eröffnung weiterer Dr. Vinos nicht ausschließen möchte, "weil es gibt noch so viele Plätze, wo nichts ist, wo aber irrsinnig viel gute Leute wohnen". (DER STANDARD/rondo/floh/21/02/2003)

Dr.Vino
Kettenbrückeng. 21
1050 Wien
Tel.: 01/586 37 07

Prinz-Eugen-Str. 58
1040 Wien
Tel.: 01/505 40 69
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