Die Tradition des schnellen Türöffnens

20. Februar 2003, 11:59
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Willkommen im Club: Die Bedeutung von Absolventen- Vereinigungen ist mittlerweile auch im deutschsprachigen Raum unumstritten. Neben persönlichen Bekanntschaften sind vor allem die elitären Netzwerke wesentlich.

Weltweit nimmt die Zahl der Absolvententreffen und Alumni-Clubs zu - und die Zahl der Mitglieder: Der Absolventenverein der IAE in Argentinien vereinigt 5500 Alumni, die Australian Graduate School of Management hat 7500 ehemalige Studenten. Fast doppelt so groß ist der Club der London Business School mit 14.000 Absolventen in über 100 Ländern. Die Stanford Graduate School of Business bringt es auf über 22.000. Das Netzwerk der französischen Schule INSEAD ist legendär, und im deutschsprachigen Raum gibt es mit St. Gallen und Koblenz/WHU Kellog alteingesessene elitäre Netzwerke.

Gegenüber der langen Alumni-Club-Tradition in den USA, Frankreich und Großbritannien haben Deutschland und Österreich Aufholbedarf. Doch auch hier wird die Qualität der Absolventenvereinigungen und ihrer Kontakte immer mehr zum Kriterium für die Wahl des passenden MBA-Anbieters: Nicht nur das vermittelte Wissen entscheidet über den Karriereweg, sondern die "Effizienz des Placement-Centers", so Werner Lanthaler, selbst WU- und Harvard-MPA-Absolvent und Finanzvorstand beim Biotech-Unternehmen Intercell AG.

Und beim Berufseinstieg zeigt sich die Qualität guter Netzwerke: "Es gibt da eine gewisse Tradition des schnellen Türöffnens - Sie kriegen zumindest leichter ein Vorstellungsgespräch." Doch abgesehen von dieser Praxis sieht Lanthaler auch viel "Alumni-Blabla" und wenig tatsächlichen Nutzen.

Elitäre Freundschaften

Anders bewertet er aber die eher persönlichen Netzwerke, die sich an den Privatuniversitäten und elitären Ausbildungsstätten eben häufig bilden: "Das hat mit Freundschaften zu tun - und die Wahrscheinlichkeit, dass Freundschaften entstehen, ist an Massenuniversitäten sicherlich geringer als bei einem MBA-Programm."

Natürlich, Eliteschulen spielen da in einer anderen Liga, bestätigt Kathrin Holubowsky, Geschäftsführerin des Alumni-Clubs der WU Wien: "Dort ist das Netzwerk vielleicht kleiner, aber die emotionale Bindung viel, viel höher." Die Einstellung an Schulen wie der Indiana University (Kelley) oder INSEAD sei eher: "Wir gehören einer Elite an, und wir helfen einander", so Holubowsky. Im Gegensatz dazu müsse man an Massenunis ein Zusammengehörigkeitsgefühl meist erst einmal erzeugen, sagt Holubowsky. Der Alumni-Club der WU - mit immerhin schon 3000 Mitgliedern - setzt daher auf die verschiedensten gemeinsamen Veranstaltungen: vom Wine-Guide bis zum Segeltörn. "Da lernt man auch die Leute aus der Konkurrenz kennen", so Holubowsky. Und hört von neuen Jobangeboten.

Auf diesen Veranstaltungen hält auch Doris Furthmayr, Senior Consultant bei Jenewein & Partner und selbst WU-Absolventin, die Augen offen: "Wir suchen Personal für das Mittel- und Topmanagement - und da sind die Mitglieder der Alumni-Clubs für uns natürlich von großem Interesse."

Info-Netzwerke

Auch für Günter Kradisch- nig, Geschäftsführer von Infora Consulting und MBA-Absolvent der Donau-Uni Krems, sind Netzwerke wesentlich: "Als Berater brauche ich oft Informationen über bestimmte Branchen - und hier kann ich auf ein weit gespanntes Netzwerk zurückgreifen." Und Werner Lanthaler hat vor seinem Wechsel in den Finanzvorstand von Intercell erst einmal einen Freund aus Harvard um Rat gefragt. (DER STANDARD, Printausgabe, 15./16.2.2003, Heidi Weinhäupl)

  • Das Kennenlernen von Leuten aus der Btranche ist ein Ziel von Aluminii-Club-Veranstaltungen - seien sie nun outdoor ...
    foto: alumini-club der wu wien

    Das Kennenlernen von Leuten aus der Btranche ist ein Ziel von Aluminii-Club-Veranstaltungen - seien sie nun outdoor ...

  • ... oder indoor - Im Bild WU-Rektor Christoph Badelt (re.) mit Peter Schnedlitz und Kathrin Holubwsky vom Alumini-Club
    foto: alumini-club der wu wien

    ... oder indoor - Im Bild WU-Rektor Christoph Badelt (re.) mit Peter Schnedlitz und Kathrin Holubwsky vom Alumini-Club

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