Neuer Messstab zur Bestimmung der Lawinengefahr

20. Februar 2003, 11:22
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Das Gerät benötigt dazu wenige Minuten

London/Davos - Forscher vom Eidgenössischen Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos haben einen teleskopartigen Messtab zur automatischen Bestimmung der Lawinengefahr im Gelände entwickelt. Der Messstab besitzt einen integrierten Motor. Mit dessen Hilfe kann der Skitouren-Leiter künftig den Messstab mit einer Geschwindigkeit von zwei Zentimetern pro Sekunde ausfahren und durch die Schneedecke stoßen. Das aufwändige Graben von Schneeprofilen wird damit für Touren-Guides passe.

Zurzeit müssen Skitouren-Leiter noch ein Schneeprofil graben und eigenhändig bzw. mit Messern die Beschaffenheit und Härte der verschiedenen Schneeschichten bestimmen. Das Unterfangen dauert mindestens eine halbe Stunde. Oftmals hüpfen sie auch auf der Kante der Vertiefung, um zu testen, wie leicht die Schneedecke nachgibt. Die Ergebnisse sind aber nicht nur subjektiv. Es könne auch nicht mit Sicherheit gesagt werden, wie die Situation hundert Meter entfernt aussieht. Der Schweizer Messstab "Mikropenetrometer" umgeht diese Unsicherheiten. Ein Drucksensor an der Spitze misste alle viertausendstel Millimeter den Widerstand des Schnees. Der Wert wird auf einem LCD-Bildschirm angezeigt, berichtet das Fachmagazin New Scientist. Bis das Gerät damit ein Härte-Profil von zwei Meter Schnee erstellt hat dauert es nur wenige Minuten. Es könnten also während einer Skitour viel mehr Stellen getestet werden.

Derzeit wird der Messstab in den USA, Indien und Österreich und der Schweiz getestet. Jerome Johnson, Geophysiker am Cold Regions Research Laboratory in New Hampshire, ist bereits überzeugt, dass die Technologie zur Standardausrüstung in Lawinenwarnzentralen gehören wird. Bevor das Gerät aber auf den Markt kommt, müssen Forscher noch lernen, wie das Härte-Profil der Schneeschicht interpretiert wird und es tatsächlich eine Lawinengefahr darstellt. (pte)

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