Neugestaltung der Karenz gefordert

20. Februar 2003, 10:29
1 Posting

Gewerkschaft Metall-Textil will zumindest Ausdehnung des Kündigungsschutzes erreichen

Wien - Eine Neugestaltung des Karenzbereiches oder zumindest die Ausdehnung des Kündigungsschutzes auf die gesamte Betreuungszeit fordert die Zentralfrauensekretärin der Gewerkschaft Metall-Textil, Monika Kemperle, von der künftigen Regierung. Die Diskrepanz von mindestens einem halben Jahr werde von vielen Frauen übersehen, sie erscheinen nicht zur Arbeit und verlieren ihren Job. "Allein in den vergangenen 14 Tagen hat nur unsere Gewerkschaft zwölf entsprechende Meldungen erhalten", sagt Kemperle.

Falsche Annahmen

Dieser Stolperstein für unselbstständig beschäftigte Frauen ist seit Einführung des Kinderbetreuungsgeldes im Jänner vergangenen Jahres bekannt: Die arbeitsrechtliche Karenz endet mit dem zweiten Geburtstag des Kindes, damit ist auch der Kündigungsschutz beendet. Das Kindergeld gibt es aber um mindestens ein halbes Jahr länger.

"Die Krankenkassen haben die Administration des Kinderbetreuungsgeldes übernommen. Sie teilen den Betroffenen schriftlich mit, dass sie bis zum 30. Lebensmonat des Kindes (oder bis zum 36., wenn die Karenz zwischen Mutter und Vater geteilt wird), Kinderbetreuungsgeld erhalten. Die Frau nimmt darauf hin automatisch an, bis zu diesem Zeitpunkt zu Hause bleiben zu können. Sie verständigt auch ihren Arbeitgeber nicht, weil sie ja ein offizielles Schreiben, nämlich jenes der Krankenkassa, in Händen hält", weiß Kemperle aus Erfahrung. Viele Frauen meinten nämlich, dass mit dem Kindergeld auch die Karenzzeit verlängert worden ist, so Kemperle, zuständig für etwa 40.000 Frauen.

Männerproblem

Auch in der Arbeiterkammer wird man immer wieder mit Anfragen zu diesem Thema konfrontiert. Die AK appelliert an die Betroffenen, sich beraten zu lassen. Probleme gibt es auch bei der Väterkarenz. Wenn der Vater erst nach dem zweiten Geburtstag des Kindes zu Hause bleibt, erhält er zwar das Betreuungsgeld, er hat aber keinen Kündigungs- bzw. Entlassungsschutz mehr.

Genaue Info bei Zuverdienst

Noch wesentlich komplizierter ist der Bereich des Zuverdiensts. Fast 15 Prozent der Karenzgeldbezieherinnen haben im vergangenen Jänner diese Möglichkeit genützt. Arbeiterkammer und ÖGB raten dringend, sich genau zu informieren, weil die Einkommensgrenzen abhängig sind von unterschiedlichen Sozialversicherungsbeiträgen. Überschreitet das Einkommen in einem bestimmten Zeitraum die Einkommensgrenze, geht der Anspruch auf Kinderbetreuungsgeld für das gesamte Kalenderjahr rückwirkend verloren. Achtung: Einkünfte aus geringfügiger Beschäftigung sind in die Berechnung einzubeziehen. (APA)

Share if you care.