Nordkoreanisches Kampfflugzeug drang in Südkoreas Luftraum ein

20. Februar 2003, 15:26
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Erster derartiger Luftzwischenfall seit 1983 - Südkorea protestiert gegen "Provokation"

Seoul/Peking - Zum ersten Mal seit 20 Jahren ist ein nordkoreanischer Kampfjet am Donnerstag in südkoreanischen Luftraum eingedrungen. Seoul protestierte gegen die Verletzung des Luftraums über dem Gelben Meer und sprach von einer "Provokation". Im Streit um das nordkoreanische Atomprogramm schlugen die USA und Nordkorea versöhnlichere Töne an: US-Außenminister Colin Powell bot vor dem Beginn seiner Asien-Reise eine friedliche Lösung an, Pjöngjang betonte sein Interesse an Frieden und Stabilität auf der Halbinsel. Ungeachtet des Nuklearstreits setzten Nord- und Südkorea ihr Programm zur Zusammenführung jahrzehntelang getrennter Familien fort.

Zwei Minuten

Der Jet vom Typ MiG-19 überflog die Insel Yonpyong im Gelben Meer und drehte dann Richtung Nordkorea ab, wie ein Offizier des südkoreanischen Generalstabs mitteilte. Der Vorfall dauerte zwei Minuten. Seoul entsandte daraufhin sechs Jets und versetzte die Raketenabwehr an der Westküste in Alarmbereitschaft. Das Verteidigungsministerium warnte, die "Provokation" könne "ernsthafte Folgen" für die Situation auf der koreanischen Halbinsel haben. Laut Südkorea war es das erste Mal seit 1983, dass ein nordkoreanisches Kampfflugzeug in den Luftraum des Nachbarlandes eindrang. Nahe der Insel Yonpyong hatten sich Marine-Einheiten beider Länder im Sommer 2002 heftige Seegefechte geliefert.

Der jüngste Zwischenfall ereignete sich inmitten erhöhter Spannungen wegen des nordkoreanischen Atomprogramms. Nordkorea hatte im Streit um sein Atomprogramm am Dienstag mit dem Ausstieg aus dem Waffenstillstandsabkommen gedroht, das vor 50 Jahren den Koreakrieg beendete. Einen formalen Friedensvertrag zwischen Pjöngjang und Seoul gibt es bis heute nicht. Die Nuklearkrise hatte im Oktober begonnen, als Nordkorea nach US-Angaben ein geheimes Plutoniumprogramm einräumte. Im Jänner stieg das stalinistisch regierte Land aus dem Atomwaffensperrvertrag aus.

Pjöngjang appelliert an Blockfreie

Unterdessen bat Nordkorea die blockfreien Staaten, bei ihrem Gipfeltreffen am Wochenende die USA zum Urheber des Konflikts zu erklären. Pjöngjang wolle, dass die 114 blockfreien Staaten eine entsprechende Passage in die Abschlusserklärung des Gipfels aufnehmen, sagte ein südamerikanischer Delegierter. Die Erklärung sollte Washington außerdem dazu auffordern, "seine feindliche Politik gegenüber Nordkorea aufzugeben", fügte der Konferenzteilnehmer hinzu. Seinen Angaben zufolge reagierten die Teilnehmerländer unterschiedlich auf Nordkoreas Anliegen.

Powell: USA beabsichtigen keine Invasion"

Powell bekräftigte in dem Hongkonger Fernsehsender Phoenix, die USA beabsichtigten keine Invasion. Er lehnte die von Nordkorea geforderten bilateralen Gespräche erneut ab, stellte aber Verhandlungen "in multinationaler Besetzung" in Aussicht. Powell reist in den kommenden Tagen nach Japan, China und Südkorea. Das chinesische Außenministerium äußerte sich zuversichtlich über eine politische Beilegung der Krise. In einer Erklärung der nordkoreanischen Botschaft in Peking hieß es, Nordkorea werde "sein Bestes tun, um Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel zu erreichen, aber wir werden niemals darum betteln".

UN-Sicherheitsrat beschäftigt sich mit Krise

Der UN-Sicherheitsrat befasste sich am Mittwoch erstmals mit der Atomkrise. Der Rat habe das Nordkorea-Dossier der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) an Experten weitergeleitet, sagte der Vorsitzende des Sicherheitsrats, der deutsche UN-Botschafter Gunter Pleuger. Der UN-Sicherheitsrat könnte Nordkorea mit Sanktionen belegen. Pjöngjang hatte mehrfach gewarnt, dass es einen solchen Schritt als Kriegserklärung betrachten würde.(APA/dpa/AP)

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