Raubbau am Klasseweib

21. Februar 2003, 13:13
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TV-Tagebuch: Neue Actionserie wird durch transportiertes Frauenbild mühsam

Wunderbare Welt der Geheimagenten und Spione: Wo der Lippenstift nicht einfach nur Lippenstift, sondern auch Fotokamera ist. Wo ein Feuerzeug gleichzeitig Überwachungsmonitore lahm legt. Spannend!

Nur leider: Angesagte Sensationen finden nie statt, weshalb auch die groß angekündigte Actionserie "Alias" bereits in der Pilotfolge Dienstagabend auf ProSieben unter Maschinengewehrsalven unterging.

Nachdem Jessica Alba schon in "Dark Angel" in futuristischer Manier gegen das Böse kämpfen durfte - und uns damit schwerstens auf den Wecker fiel - schlägt sich nun Jennifer Garner als schicke Doppelagentin mit allem, was ihr in die Quere kommt.

Erfinder Jeffrey Abrams vermanscht James Bond mit Sciencefiction, Thriller und Romantik: Die Idee von der Studentin am Campus, die sich zum geeigneten Zeitpunkt in ein Klasseweib verwandelt, ist vom Grundgedanken her so alt wie Superman. Mit blitzenden Zangen wurden bereits dem Marathonmann Zähne gezogen. Und mit der Knarre umgehen können Frauen nicht erst seit Lara Croft.

Solcherart betriebener Raubbau ist an und für sich keine Schande, eine reizvolle Variante sogar. Nur die Kombination mit einer allzu herzhaften Ausbeutung schwer erträglicher Klischees (Stichwort: Frauenbild!) macht "Alias" mühsam. Daran wird sich, auch wenn die Serie angeblich besser wird und Gastauftritte von Quentin Tarantino, Roger Moore und Faye Dunaway Charme bringen sollten, in Zukunft wohl wenig ändern. (prie, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 21.2.2003)

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