Acht Minuten Beethoven-Uraufführung

21. Februar 2003, 22:48
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Ein verschollenes Largo eines Oboenkonzerts ist nach Rekonstruktion am 1. März erstmals zu hören

Rotterdam - Knapp 176 Jahre nach dem Tod von Ludwig van Beethoven soll das Largo aus seinem Oboenkonzert (Hess 12) am 1. März erstmals zu hören sein. Für eine Aufführung des Rotterdamer Kammerorchesters unter Leitung von Conrad van Alphen hätten zwei niederländische Beethovenkenner den nach bisherigem Wissensstand nur in Skizzenform hinterlassenen Teil des Konzerts rekonstruiert, wurde am Mittwoch in Rotterdam mitgeteilt. Das dabei entstandene Stück sei etwa acht Minuten lang.

"Informationsquelle spurlos verschwunden"

Komponist Cees Nieuwenhuizen und Musikwissenschaftler Jos van der Zanden hatten sich nach Angaben der Stiftung Raptus, die nach unbekannten Musikstücken forscht und sie herausgibt, bei ihrer Arbeit auf zwei Unterlagen bezogen. So hatte in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts Verleger Anton Diabelli die Anfangstakte aller drei Teile des Konzerts für Oboe mit Orchester angegeben. "Offensichtlich hatte er dazu eine Informationsquelle, die danach spurlos verschwunden ist", kommentierte Raptus.

Der zweite Anhaltspunkt entstammte einem Bündel von Beethovenmanuskripten aus dem British Museum. Darin habe 1960 ein Wissenschaftler (Joseph Kerman) Skizzen des zweiten, langsamen Teils aus dem Oboenkonzert entdeckt, die aus dem Jahr 1793 stammten. Sie hätten übereingestimmt mit den Angaben Diabellis. Die beiden Niederländer hätten den "fehlenden Context" hergestellt wie er nach ihrer Ansicht dem Stil des jungen Beethoven entsprach.

Die rekonstruierte Musik wird von Raptus Editions im niederländischen Almere zusammen mit einer Einleitung und einem Faksimile der Quellen veröffentlicht. (APA/dpa)

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