302 Tote bei Absturz einer Militärmaschine im Iran

20. Februar 2003, 15:05
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Insassen waren Angehörige der Revolutionsgarde - Maschine verschwand von Radarschirmen - Schwierige Opfersuche in den Bergen

Kerman/Islamabad - Nach dem Absturz einer iranischen Militärmaschine mit 302 Insassen an Bord kommen die Bergungsarbeiten nur mühsam voran.

Erst Stunden nach dem Unglück am Mittwochabend fanden die Hilfsmannschaften erste Wrackteile und Leichen.

Paramilitärische Eliteeinheit

Die iranische Transportmaschine sowjetischer Bauart war auf dem Weg von Sahedan nach Kerman im Südosten des Landes in dichtem Nebel und heftigem Schneesturm an einem Berg zerschellt. An Bord befanden sich nach offiziellen Angaben neben den 18 Besatzungsmitgliedern 284 Mitglieder der Revolutionswächter (Pasdaran), einer paramilitärischen Eliteeinheit aus der Zeit der iranischen Revolution mit dem Namen "Rache Gottes", die zu einem 48-stündigen Heimaturlaub nach Kerman fliegen wollten.

Mühsame Bergungsarbeiten

Nebel und Schneestürme behinderten am Donnerstag die Bergungsarbeiten. Erst nach Stunden gelang es den Mannschaften, zur Unglücksstelle inmitten des unwegsamen Hochlands von Sirch vorzudringen. Militärischen Angaben zufolge war die Maschine in etwa 3.500 Metern Höhe gegen eine Felswand geprallt.

20 Minuten vor der Landung Kontakt abgebrochen

Rund 20 Minuten vor der Landung am frühen Abend sei der Kontakt mit dem Flughafen von Kerman abgebrochen, teilte ein Kommandeur der Brigade mit. Aus Kreisen der Luftüberwachung in Kerman hieß es, der Pilot habe zuletzt schlechtes Wetter und starken Wind gemeldet, bevor die Maschine von den Radarschirmen verschwand.

Untersuchung angekündigt

Der Rote Halbmond richtete in Kerman ein Betreuungszentrum für Angehörige der Opfer ein. Der oberste geistliche Führer Irans, Ayatollah Ali Khamenei, sprach der Führung der Revolutionswächter sein Beileid aus. Gleichzeitig kündigte er eine "umfassende Untersuchung" an.

Transportflugzeug des Typs Iljuschin-76

Bei der Maschine handelt es sich um ein vierstrahliges Transportflugzeug des Typs Iljuschin-76. Der Absturz wirft erneut ein Schlaglicht auf den Zustand der iranischen Flugzeugflotte: Ein seit rund 24 Jahren anhaltendes Hightech-Embargo der USA erschwert der islamischen Republik zunehmend die Wartung ihrer veralteten Flotte und Ausrüstung. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Inlandsflügen seit Jahren an. Unfälle sind vorprogrammiert, wie zuletzt am 23. Dezember, als eine Antonow mit 44 Insassen über Zentraliran abstürzte.

Zweiter Absturz kurz dannach Im Norden des Nachbarlandes Pakistan war wenig später ein weiteres Militärflugzeugs abgestürzt. Unter den 17 Insassen, von denen ebenfalls keiner das Unglück überlebte, war Pakistans Luftwaffen-Chef Mushaf Ali Mir. Insgesamt 319 Menschen fanden bei den beiden Unfällen den Tod.

In Pakistan konnten Rettungsmannschaften rasch zum Unglücksort in der Grenzregion zu Afghanistan gelangen. Die Leichen von zwei hochrangigen Generälen und der Frau von Luftwaffen-Chef Mir wurden identifiziert. Die Offiziere waren auf dem Weg von der Hauptstadt Islamabad zu einer Inspektion der Luftwaffenbasis Kohat, als die Fokker 30 Kilometer vor dem Ziel abstürzte. (APA)

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    Schwierige Suche in den Bergen

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