Die Wiederkehr der "Jabacs"

21. Februar 2003, 23:47
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Neue Filmprojekte aus Frankreich - Von Agnès Jaoui, Jean-Pierre Bacri, François Ozon und Cédric Kahn

Selten dringen Nachrichten über neue französische Filmprojekte vor: Weil in den letzten Tagen in diesem Feld eine Reihe von bekannten Namen fielen, hier eine kleine Rundschau:

Die Wiederkehr der "Jabacs"

Ein kleiner Geniestreich war "Le goût des autres" ("Lust auf anderes", 2000) gewesen - viel an Kultursoziologie aufs eleganteste verpackt in eine Form, die im englischen "comedy of manners" heißt und sich im zeitgenössischen Kino rar macht. Nach verdienten Ehren ( Oscar-Nominierung, Europäischer Filmpreis, die Césars) machten sich dann auch Regisseurin Agnès Jaoui und Ko-Autor/Ehemann Jean-Pierre Bacri ein wenig rar.

Nun wurde das, wie es gern heißt, "mit Spannung erwartete" Nachfolgeprojekt angekündigt: "Comme une image" ("Wie ein Bild") wird es heißen, im Sommer werden die Dreharbeiten beginnen. Über den Plot wurde vorerst nichts verraten, wohl aber, dass das in Frankreichs Filmbranche als "les jabacs" bereits sprichwörtlich gewordene Duo wie gewohnt arbeiten wird: gemeinsames Drehbuch, tragende Rollen für Beide, Regie Agnès Jaoui.

Beide waren sie zwischenzeitlich je in Hauptrollen darstellerisch aktiv: Jaoui absolvierte ihren ersten Kostümpart; Laurent Bouhniks Stefan-Zweig- Adaption "24 heures de la vie d'une femme" läuft seit Jänner in Paris. Aktuell steht sie gemeinsam mit Karin Viard am Set von "Le rôle de sa vie" (Regie: François Favrat).

Bacri antwortete erst in Claude Berris Komödie "Une femme de ménage" auf ein Inserat einer jungen Frau (Emilie Dequenne), die eine Haushälterin sucht (seit Herbst in französischen Kinos). Dann spielte er unter Noémie Lvovsky ("Oublie-moi") in "Les Sentiments", einer melancholischen Komödie um zwei Ehepaare.

Ozon à 100.000 volts

Wie mittlerweile gewohnt flott unterwegs ist hingegen Regie-Jungstar François Ozon mit seinen Werkausstoß. Nach dem Erfolgslauf seines recht unverfroren opportunistischen "8 femmes" ist die für April angesetzte Premiere seines englischen Debüts "Swimming Pool" noch ausständig; und schon ist der nächste Film besiegelt.

"Swimming Pool" nimmt gewissermaßen den Faden von "Sous le sable" auf und schickt Charlotte Rampling als britische Schriftstellerin in Krise nach Südfrankreich. Mit ihrem Verleger (Charles Dance) will sie sich dort beraten, mit dessen Tochter warten auf sie zwischenmenschliche Spannungen.

"5x2" heißt das Folgeprojekt, von dem bereits internationale Verwertungsrechte im Rahmen der Berlinale verkauft wurden: Valeria Bruni-Tedeschi und Stéphane Freiss werden in fünf Etappen im Leben eines Paares zu sehen sein. Das Drehbuch ist fast fertig, Drehbeginn soll noch im März sein.

Cédric Kahn bleibt cool

"Roberto Succo", Cédric Kahns eisige Verfolgung eines Serientäters durch die scheinbar idyllischen Seealpen, ist wiederum schon drei Jahre alt. Nun wurde der Nachfolger vorgestellt: "Feux rouges" basiert auf einem gleichnamigen Roman von Georges Simenon von 1953, ist Kahns sechster Spielfilm und spielt in den Fünfziger Jahren in den USA wie im Frankreich von heute. Ein kriselndes Ehepaar (Jean-Pierre Darroussin und Carole Bouquet) macht darin per Zufall die folgenschwere Bekanntschaft eines gefährlichen Kriminellen. Im März ist Drehbeginn.
(~hcl~)

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    "Les jabacs" - Agnès Jaoui und Jean-Pierre Bacri - bei der Entgegennnahme eines der vier César-Preise 2001 für "Le Goût des autres"

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