Entführungsfall Jakob von Metzler: Deutsche Polizei drohte mit Folter

19. Februar 2003, 21:13
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Schmerzen sollten mutmaßlichen Entführer zur Aussage bringen

Frankfurt/Main - Im Entführungsfall Jakob von Metzler hat die Frankfurter Staatsanwaltschaft am Mittwoch Anklage gegen den verdächtigen Jus-Studenten Magnus G. erhoben. Der elfjährige Jakob wurde im September des Vorjahrs von seinem Entführer getötet, noch bevor dieser Lösegeldforderungen stellte.

Inzwischen hat der Frankfurter Polizeipräsident Harald Weiss-Bollandt die ihm unterstehenden Beamten gegen den Vorwurf der Erpressung verteidigt. Der Berliner Tagesspiegel hatte aus einer internen Notiz des Polizei-Vizepräsidenten Wolfgang Daschner zitiert. Demnach hatte Daschner die Verhörenden angewiesen, Magnus G. zum Aufenthalt des Kinds "nach vorheriger Androhung, unter ärztlicher Aufsicht, durch Zufügen von Schmerzen (keine Verletzungen) erneut zu befragen".

Androhung unmittelbaren Zwanges

Präsident Weiss-Bollant sagte, der Vorwurf der Erpressung sei "unzutreffend". Daschner habe "in der Androhung unmittelbaren Zwanges die letzte Möglichkeit" gesehen, den Aufenthaltsort des Entführten in Erfahrung zu bringen. Damals seien "alle einsatztaktischen Maßnahmen erschöpft" gewesen.

Der Anwalt von Magnus G. nannte Daschner einen Verbrecher und forderte dessen Suspendierung wie auch die aller Beamten, die am Verhör beteiligt waren. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren gegen die Polizisten ein. (AFP, DER STANDARD Printausgabe 20.2.2003)

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    Bankierssohnes Jakob von Metzler wurde auf dem Heimweg von der Schule entführt und ermordet

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