"... dass die Kirche Christi ihre Stimme erhebe"

19. Februar 2003, 19:40
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Brief Edith Steins an Pius XI. aus dem Geheimarchiv des Vatikans geholt - Appell zu Stellungnahme gegen Nazis

Speyer - In den vor kurzem freigegebenen Beständen des vatikanischen Geheimarchivs findet sich auch ein kritischer Brief der Pädagogin Edith Stein an Papst Pius XI. zum Verhalten der Kirche gegenüber den Nationalsozialisten. Das teilte das Bistum Speyer am Mittwoch mit. Die als Kind jüdischer Eltern geborene Edith Stein hatte sich 1922 taufen lassen und war wenige Monate nach ihrem Brief an den Papst Ordensschwester geworden. 1942 wurde sie mit ihrer Schwester im Konzentrationslager Auschwitz umgebracht.

"Alles, was geschehen ist und noch täglich geschieht, geht von einer Regierung aus, die sich christlich nennt", schrieb Stein wenige Monate nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 an den Papst. "Seit Wochen warten und hoffen nicht nur die Juden, sondern Tausende treuer Katholiken in Deutschland und ich denke in der ganzen Welt darauf, dass die Kirche Christi ihre Stimme erhebe, um diesem Missbrauch des Namens Christi Einhalt zu tun." "Ist nicht diese Vergötzung der Rasse und der Staatsgewalt, die täglich durch Rundfunk den Massen eingehämmert wird, eine offene Häresie (Ketzerei)?"

Die am vergangenen Samstag geöffneten Archivbestände des Vatikans betreffen die Beziehungen zu Deutschland zwischen 1922 und 1939. Papst Johannes Paul II. hatte sich zur vorzeitigen Öffnung der Bestände entschlossen, um die Kritik an der Haltung des Vatikans zum Nationalsozialismus zu entkräften. Der damaligen Kirchenleitung in Rom wird vorgeworfen, das Hitler-Regime nicht entschieden genug verurteilt zu haben. (APA/dpa)

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