Wer bremst, verliert!

12. August 2008, 17:00
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Binsenweisheiten sind so eine Sache - Der glu ohne Bremsen am Pann!

Die Moto-Academy ist bekannt dafür, den blutigsten Anfänger innerhalb eines Tages von „underdone“ mindestens bis „medium“ durchzubraten. Der Vergleich fällt mir rasch ein. Denn kein Steak, das mir zu groß ist, kein Ringneuling, der den Academy-Instruktoren zu blutig ist. Tja. Jetzt ist es aber so, dass ich gar kein ganzer Anfänger auf der Rennstrecke in der pannonischen Tiefebene bin. Ich fahr vielleicht schlechter als ein solcher und ganz bestimmt langsamer, aber das nicht zum ersten Mal. Also bin ich dann wohl das Stückl zähes Leder, an dem sich jemand die Zähne ausbeißen darf.

foto: derstandard/grabner

Dieser jemand ist Ober-Meister-Chef-Instruktor Michael Fiala. Er nimmt im Namen der Moto-Academy den Auftrag an, dem glu ein paar Sekunden von der Ringzeit runter zu reißen. Die anderen Instruktoren suchen sich ihre Schüler nach dem üblichen Verfahren aus. Sie schauen sich die Teilnehmer an und treffen dann ihre Entscheidung. Meine erste Aufgabe ist es – wie auch die der anderen Teilnehmer – erst einmal unter den Augen der Instruktoren zwei Runden gemütlich um den Pannonia-Ring zu fahren.

foto: derstandard/grabner

Bei mir wäre das im Normalfall wie damals in der Schule. Zwei Mannschaften, die beiden Mitschüler mit den ärgsten Schweißfüßen und dem blühendsten Fußpilz waren die Kapitäne und suchten sich abwechselnd ihre Mitspieler aus. Eiserne Regel: Der glu bleibt übrig. Als Ersatzmann hatte ich einen derart schlechten Kalorienverbrauch beim Schulturnen, dass ich damals ein mächtig dickes Kind war. Heute bin ich zwar nicht mehr so dick, aber ich bleibe wieder übrig.

foto: derstandard/grabner

Oder – ich bliebe übrig, wenn der Fiala sich nicht meiner erbarmt hätte. Schon bei der Erwähnung meines Namens schlagen die anderen Instruktoren nämlich Kreuze auf ihrer Brust. Chefinstruktor und Racing-Profi Damian Cudlin hat gleich einmal den Kurs gestangelt, als er von meiner Anmeldung erfuhr. Irgendwas von einem Rennen soll er am Telefon gestammelt haben. Und dass der Fiala was bei ihm gut hat. Da gewinnt der Cudlin lieber ein Race als mit mir zu fahren? Komisch, oder?

foto: derstandard/grabner

Aber nix gegen den Fiala. Der hat nämlich schnell weggesteckt, dass aus seinem Schlunztag am Pann heute nix wird. Er hat eine eigene Gruppe. Mich. Oh welch Freude! Und die unterstreicht er mit den Worten: „Sogar Leute, die noch nicht einmal einen Führerschein haben, hab ich flotter über den Ring fahren gesehen als dich. Aber nachdem wir in der Lage sind, sogar Typen, die zum Radfahren Stützräder brauchen, am Abend mit passablen Zeiten über den Ring zu bringen, werde ich an dir auch nicht scheitern!“ Ich glaub, er hat sich ur gefreut, dass er mich an der Hand hat – oder an der Gurgel, wie er es sagte.

foto: derstandard/grabner

>>> Analyse: der glu fährt zu langsam

Wir analysieren kurz meine Fahrt und der Fiala kommt zum Schluss: „Du fährst so langsam, dass ich mit dir wette, dass du ohne zu bremsen durchfahren kannst. Logischerweise schneller als bisher.“ Während ich noch so bei mir überleg, ob sich der Fiala nicht doch in die Sonne legen will und daher dafür sorgt, dass ich mich schnell im Kiesbett bis zum schon weit gewanderten Haaransatz versenke, merke ich, dass die Nichtbremserei in der Moto-Academy neuerdings Mode ist.

foto: derstandard/grabner

Das machen die anderen im Fahrtechnik-Kurs auch gerade, hör ich so nebenbei. Da hat das Bremsausschlussspiel aber einen anderen Grund. Die fahren bewusst langsamer, um nicht bremsen zu müssen, ersparen sich so aber Cerebralrechenleistung durch den Wegfall einer Tätigkeit am Kurveneingang und können sich so besser auf die Kurve selbst konzentrieren. Das funktioniert voll super. Bei denen.

foto: derstandard/grabner

Wie es mir mit dem Nichtbremsen geht? Ist voll lustig. Ich hab mich hinter den Fiala gehängt und darauf vertraut, dass er schon das richtige Tempo anschlagen wird. Weil er mir das Bremsen aber verboten hat, hab ich immer dann, wenn ich merkte, dass ich viel zu schnell auf die Kurve zufahre, einfach die Augen zugemacht. Auf den Fotos sieht man das wegen des Spiegelvisiers zum Glück nicht. Ich hab mich dann leicht in die Richtung gelehnt, aus der ich den Fiala lachen gehört hab, langsam bis fünf gezählt, und wenn ich die Augen wieder aufgemacht habe, war ich schon wieder auf der Geraden.

foto: derstandard/grabner

Damit ich trotzdem einmal sehe, wie man eine Kurvenkombination richtig fährt, hat mich der Fiala dann mit den anderen Fahrtechnikteilnehmern noch auf die Strecke gekarrt. Dort konnten wir uns ganz aus der Nähe anschauen, wie die Instruktoren die Kurven fuhren. Die anderen haben gesagt, dass das voll spannend war. Ich weiß das nicht. Ich hatte ja die Augen zu, so schnell wie die da um die Kurve kamen.

foto: derstandard/grabner

Jedenfalls: Am Abend hat mich der Fiala auf die Seite genommen und mir eine Zeit gesagt. Eine Zeit, die ich ohne zu bremsen am Pann gefahren bin. Und die Zeit war um ein Haucherl besser als tags zuvor noch mein persönlicher Streckenrekord.

(Text: Guido Gluschitsch, Fotos: Wolf-Dieter „Graf Foto“ Grabner)

Guido Gluschitsch ist Chefredakteur bei www.motorradnet.at.

Die nächsten Trainings der Moto-Academy finden am 18. und 19.8., und dem 8.9. statt.
Im Vorverkauf kostet das Fahrsicherheitstraining 200,- Euro, das freie Fahren 90,- Euro.
Anmeldungen und Infos unter www.moto-academy.com.

  • Moto-Academy Ober-Meister-Chef-Instruktor Michael Fiala versucht das Unmögliche... Dem glu das schneller Fahren beibringen. Ob das fruchtet lesen Sie nebenan.
    foto: derstandard/grabner

    Moto-Academy Ober-Meister-Chef-Instruktor Michael Fiala versucht das Unmögliche... Dem glu das schneller Fahren beibringen. Ob das fruchtet lesen Sie nebenan.

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