Peking: Uiguren für Anschläge verantwortlich

12. August 2008, 18:49
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In der Unruheprovinz Xinjiang wurden drei Sicherheitsbeamte erstochen - Schützenpanzer vor dem Nationalstadion - Mit Video

In der chinesischen Unruheprovinz Xinjiang sind am Dienstag drei Sicherheitsbeamte erstochen worden. Für die Anschläge vom Sonntag machten die Behörden uigurische Terroristen verantwortlich.

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Die chinesischen Behörden haben die Sicherheitsvorkehrungen in Peking am Dienstag deutlich verschärft. Im Olympiapark in Peking wurden am Dienstag zwei Panzer unter der Aufsicht von Soldaten mit halbautomatischen Waffen vorgefahren. Stimmen wurden laut, die Panzer seien furchteinflößend und würden ein militaristisches Bild von China wiedergeben. Kurz zuvor hatte es in der Krisenregion Xinjiang bereits den dritten Anschlag innerhalb einer Woche gegeben. Drei Sicherheitsbeamte wurden erstochen, die Zahl der Toten stieg auf insgesamt 27.

Die spektakulären Bombenanschläge vom Sonntag, mit denen mehrere Gruppen von Terroristen Amtsgebäude der chinesischen Polizei- und Sicherheitsbehörden und der Kreisregierung in Nordwestchinas Region Xinjiang attackierten, gehen auf das Konto von Uiguren. Das meldete die Nachrichtenagentur Xinhua unter Verweis auf die Ermittlungen lokaler Behörden: "Alle beteiligten Terroristen stammen aus der Region um die Kreisstadt Kuqa und gehören der ethnischen Volksgruppe der Uiguren an." Bei der Serie von Anschlägen mit selbstgefertigten primitiven Sprengsätzen starben am Sonntag nach aktualisierten Angaben insgesamt zwölf Menschen. Darunter waren zehn Terroristen, von denen acht erschossen wurden und zwei sich in die Luft sprengten. Mehrere Polizisten und Unbeteiligte wurden verletzt. Zwei Attentäter wurden verhaftet.

Lokale Polizeibehörden wiesen auffallend rasch Befürchtungen zurück, dass die nach dem blutigen Bombenattentat in Kashgar innerhalb kurzer Zeit zweite große Anschlagserie mit den Olympischen Spielen zusammenhängen könnte. Die Terrororganisation "Ostturkestanische Islamische Bewegung" (Etim) hatte in ihr zugeschriebenen Videobotschaften Sabotageakte in Xinjiang angekündigt, um während der Olympischen Spiele die Welt auf den Kampf der Uiguren gegen die chinesische Oberherrschaft aufmerksam zu machen. Nach Xinhua hätten die Polizeibehörden in Kuqa bislang aber keine "klaren Beweise" dafür gefunden, dass die Attentate mit der Etim-Separatistenbewegung zusammenhingen. Ebenfalls sei es "unklar", ob sie in Verbindung mit dem Angriff auf eine Polizeieinheit in Kashgar stehen, bei dem 16 Polizisten starben und 16 verletzt wurden.

Bedrohungen herunterspielen

Die "sorgsam" geäußerten Bedenken lokaler Polizeibehörden, die früher mit pauschalen Verurteilungen rasch zur Hand waren, sind offenbar eine Reaktion auf Pekinger Äußerungen des Olympiakomitees Bocog. Sonntagabend hatte Bocog-Vizechef Wang Wei per Ferndiagnose von Peking aus einen Zusammenhang der uigurischen Attentate mit den Olympischen Spielen als unwahrscheinlich ausgeschlossen. Terrorakte kämen seit längerer Zeit in Xinjiang vor. Seit die Spiele begonnen haben, scheint Peking bemüht, potenzielle Bedrohungen herunterzuspielen. (Johnny Erling aus Peking/DER STANDARD, Printausgabe, 13.8.2008)

 

 

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