US-Sekte ließ Kleinkind verhungern

12. August 2008, 09:32
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Dass ein eineinhalbjähriger Bub nach dem Essen nicht "Amen" sagen wollte, "outete" ihn als Dämon

Baltimore - Weil er nach dem Essen nicht "Amen" sagen wollte, haben Angehörige einer kleinen Sekte im US-Bundesstaat Maryland einen etwa 15 Monate alten Buben verhungern lassen. Die Leiche von Javon R. wurde laut Polizei in einem Koffer gefunden, die 21-jährige Mutter des Knaben sowie vier weitere Mitglieder der Gruppe "1 Mind Ministries" wurden festgenommen.

Der kleine Javon erhielt nach Gerichtsunterlagen im Dezember 2006 keine Nahrung mehr und starb. Die Leiche wurde allerdings erst im Mai 2008 gefunden: Die Sektenmitglieder waren seit Februar auf der Flucht gewesen - die Leiche des Kindes wurde in einem grünen Reisetrolley versteckt.

Javons Mutter Ria R. - in der Sekte wurde sie "Princess Marie" genannt - wurde am Montag in einer psychiatrischen Abteilung festgehalten. Drei weitere Sektenmitglieder wurden bereits im Mai wegen anderer Delikte aufgegriffen, ein fünfter Verdächtiger wurde erst am Wochenende festgenommen.

Javons Großmutter erklärte, den Buben nicht mehr zu füttern sei nicht die Entscheidung ihrer Tochter gewesen. "Sie hatte überhaupt keine Kontrolle über die Situation." Ihre Tochter sei selbst Opfer gewesen und habe lediglich Instruktionen befolgt: Sie habe seit April 2006 versucht, das Sorgerecht für das Kind zu bekommen - aber der Sektenführer habe ihrer Tochter verboten, sie mit dem Kind in Kontakt kommen zu lassen.

Ria R., die nach der Geburt ihres Sohnes der Sekte beigetreten war, habe demnach vom Sektenführer Toni E. - genannt "Queen Antoinette" - die Anweisung bekommen, ihren Sohn nicht mehr zu füttern, als der damals 15 Monate alte Bub sich "geweigert" habe, "Amen" zu sagen, nachdem er von seiner Mutter gefüttert worden war: Dadurch habe sich der Bub als Dämon zu erkennen gegeben.

Angeblich versteckte eines der Sektenmitglieder die Leiche mehr als eine Woche in einem Zimmer, mit der Begründung, Gott werde den Buben von den Toten auferwecken. Später habe Ria R. die nur mit einer Windel bekleidete Leiche des Kindes in den Koffer gepackt und mehrfach mit Desinfektionsmittel besprüht, um den Verwesungsgeruch zu überdecken.

Anfang 2007 zog die Gruppe von Baltimore nach Philadelphia. Der Koffer mit der Leiche wurde dort in einem Schuppen zurückgelassen und später nach New York gebracht. DNA-Tests sollen nun die Identität des Buben noch bestätigen. (APA, red)

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