Neue Struktur soll UBS retten

12. August 2008, 18:41
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Die von der Finanzkrise gebeutelte Schweizer UBS hat erneut hohe Verluste verbucht und will mit einer neuen Struktur wieder auf Kurs kommen

Zürich - Die Finanzkrise reißt ein tiefes Loch in die Bilanz der Schweizer Großbank UBS. Sie musste im zweiten Quartal einen Reinverlust von 358 Mio. Franken (221 Mio. Euro) verbuchen. Und das, obwohl die Bank im Berichtsquartal eine Steuergutschrift von 3,8 Mrd. Franken in Anspruch nehmen konnte und die Abschreibungen im Zusammenhang mit der Kreditkrise sich "nur noch" auf 5,1 Mrd. Dollar (3,42 Mrd. Euro) nach rund 19 Mrd. Dollar im Vorquartal beliefen. Im gleichen Quartal des Vorjahres hatte die Bank noch einen Gewinn von 5,28 Mrd. Franken erwirtschaftet. Damit rückt UBS auf Platz drei jener Banken, die massiv unter der Finanzkrise leiden (siehe Grafik).

Kunden ziehen Geld ab

Während die Investmentbank das Schlimmste damit möglicherweise hinter sich hat, hat der durch die Kreditkrise ausgelöste Reputationsschaden das einstige UBS-Paradepferd Wealth Management im Mitleidenschaft gezogen. Reiche und superreiche Kunden zogen mehr Geld ab als neues hinzukam. Das Nettoneugeld verzeichnete ein Minus von 17,3 Mrd. Franken. Zusätzlich sind zwei Milliarden Franken von Schweizer Kunden abgeflossen; im Asset Management betrug der Abfluss 24,5 Milliarden Franken - und stellt damit den größten Brocken dar.

Nach den happigen Abflüssen sieht UBS-Chef Marcel Rohner die Talsohle erreicht: "Ich denke, das Schlimmste haben wir überstanden". Es werde aber noch eine Weile dauern, bis UBS wieder ein normales Niveau erreiche. Angesichts der Reputationsfrage rechne man weiter mit Druck auf die Neugeldentwicklung.

Die Bank will nun ihre Strukturen grundlegend verändern, verabschiedet sich vom Modell der integrierten Bank und entlässt ihre drei Geschäftseinheiten (Vermögensverwaltung für private und institutionelle Anleger sowie das Investmentbanking) in eine weitgehende Selbstständigkeit. Dies ermögliche mehr Transparenz und ein besseres Risikomanagement, sagte UBS-Verwaltungsratspräsident Peter Kurer.

Damit schafft UBS nach Ansicht von Analysten aber auch eine Voraussetzung für einen Verkauf der tief in den roten Zahlen steckenden Investmentbank. Der Verkauf wird von einer Reihe wichtiger UBS-Aktionäre gefordert. Und das nicht nur wegen der gegenwärtigen Verluste: Die Anteilseigner sind der Ansicht, dass sich die auf Solidität angelegte Vermögensverwaltung grundsätzlich nicht mit dem volatilen Investmentbanking verträgt.

Zwar machte UBS-Verwaltungsratspräsident Kurer bei der Vorlage der Zahlen deutlich, dass "zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinerlei spezifische Pläne" für einen Verkauf der Investmentbank oder eines anderen Gruppenteils bestehen. Für die Zukunft wollte er aber keine Möglichkeit ausschließen, wenn es darum gehe, Werte für die Aktionäre zu maximieren.

Neu aufgestellt wird auch das Management: Mit Finanzchef Marco Suter scheidet das letzte Mitglied der Leitungsgruppe um den früheren UBS-Präsidenten Marcel Ospel aus der Konzernspitze aus. Die Bank will vier neue Verwaltungsräte berufen. Darunter ist der frühere stellvertretende Chef der Schweizerischen Nationalbank, Bruno Gehrig, zurzeit ist er Präsident des Versicherers Swiss Life.

Weiteren Abschreibungsbedarf hat auch JPMorgan Chase. Die US-Bank muss im laufenden Quartalmindestens 1,5 Mrd. Dollar wertberichtigen. Im zweiten Quartal halbierte sich der Gewinn nach Abschreibungen von 1,1 Mrd. Dollar auf zwei Mrd. Dollar.

Kredite werden knapp

Dass die Finanzkrise das Geschäft der Banken verändert, zeigt indes ein Bericht der US-Notenbank Fed. Demnach haben US-Geschäftsbanken die Vergabe von Krediten aller Art eingeschränkt. Sowohl Hypotheken, die als Auslöser der Finanzkrise gelten, als auch Verbraucherkredite wurden deutlich zurückgefahren. Bei der letzten Erhebung im April hatte die Fed bereits festgestellt, dass die Kreditvergabe auf historische Tiefststände gesunken war.

Die Anfang Juli erhobenen Daten umfassten 50 Banken, die für rund 80 Prozent der von Geschäftsbanken gehaltenen Hypothekenkredite stehen. Zwei Drittel der Banken gaben an, dass auch die Vergabe von Krediten über Kreditkarten eingeschränkt wurde. Experten werten die Studie als Beleg, dass die vor gut einem Jahr in den USA ausgebrochene Finanzkrise die gesamte Wirtschaft noch immer fest im Griff habe. Ein Ende der Krise ist nicht abzusehen. Bundesbankpräsident Axel Weber erwartet, dass die Finanzkrise noch weit ins nächste Jahr hinein reichen wird.

Eine kleine Verschnaufpause gibt es in der Sorge um die US-Konjunktur: Das US-Handelsbilanzdefizit ist im Juni mit 56,8 Mrd. Dollar niedriger als erwartet ausgefallen. (Reuters, bpf, DER STANDARD, Printausgabe, 13.8.2008)

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