Kaukasus: Wackliger Friedensplan

11. August 2008, 19:01
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Moskau will eine Unterwerfung der früheren Sowjetrepublik Georgien und ist offenbar noch unschlüssig über die Härte der Modalitäten - von Markus Bernath

Aktienindizes und der Rubel kletterten wieder hoch, als der russische Staatspräsident Dmitri Medwedew am Montag erklärte, das Ende der Offensive in Georgien sei gekommen. In Unternehmerköpfen steckt bisweilen mehr Verstand als in Politikerhirnen. Doch wenig deutet bisher auf eine Waffenruhe in der Kaukasusrepublik hin. Moskau will eine Unterwerfung der früheren Sowjetrepublik Georgien und ist offenbar noch unschlüssig über die Härte der Modalitäten. Auch scheint Medwedew so ziemlich der Letzte, der in der russischen Führungsriege etwas beim Krieg im Kaukasus zu entscheiden hat.

Die russische Armee dringt deshalb weiter auf georgisches Territorium vor, unbeeindruckt von der Vermittlungsmission, die Frankreich als amtierendes EU-Vorsitzland nun unternimmt. Von drei Seiten wird der wichtigste Verbündete des Westens in der Region in die Zange genommen - eine De-facto-Seeblockade vor der Schwarzmeerküste, der Einmarsch im Westen über die abchasische Grenze hinaus, der Durchstoß in der Mitte des Landes in Gori, unweit der südossetischen Separatistenprovinz. "Sie treten uns in den Hintern, wie sie gerade nur wollen", stellt ein Bekannter in Tiflis fest.

Dem Plan für eine Waffenruhe in Georgien, den Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und sein Außenminister am heutigen Dienstag in Moskau vorlegen, sind enge Grenzen gesetzt. Russland wird erst seine Brückenköpfe in Georgien ausbauen. Eine Rückkehr zu den Positionen vor dem Kriegsbeginn am 6. August aber, wie sie der georgische Staatschef Michail Saakaschwili und US-Präsident George W. Bush verlangen, scheint illusorisch. (DER STANDARD, Printausgabe, 12.8.2008)

 

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