Wenn die Weltspitze weit weg ist

11. August 2008, 19:02
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Drei durchwachsene Tage genügten, um im deut­schen Team Klagen über das Ausbleiben einer Me­daillenflut anheben zu lassen. Dabei sind die Perspektiven gar nicht schlecht

Peking - "Unser Flaggschiff ist untergegangen, das ist bitter", sagte Norbert Littkopf. Der Ausflug ins Nautische entrang sich dem Trainer der deutschen Judo-Damen angesichts des Ausscheidens von Yvonne Bönisch, der Olympiasiegerin von Athen in der Klasse bis 57 Kilogramm. "Eigentlich bin ich eine coole Sau, aber ich habe erstmals den Druck gefühlt, wenn man als Olympiasieger auf die Matte geht", sagte Bönisch selbst.

Eine, der das Wasser näher liegt, Schwimmerin Antje Buschschulte, machte ihrer Enttäuschung über Rang 15 über 100 m Rücken noch etwas origineller Luft. Sie sei, sagte die vielfache Welt- und Europameisterin, die in Athen immerhin dreimal Bronze geholt hatte, mit ihrer Leistung in Peking insgesamt zufrieden. "Ich kann doch nichts dafür, dass die Weltspitze so weit weg ist."

Im Wasserwürfel soffen bisher überhaupt die schönsten deutschen Schwimmhoffnungen ab. Die Kraulsprint-Staffel mit Buschschulte kam nur als Fünfte an, die Medaillenträume von Vizeweltmeisterin Annika Lurz (200 m Kraul) sowie der Europarekordler Helge Meeuw (100 m Rücken) und Sarah Poewe (100 m Brust) platzten schon in den Vorläufen.

Da waren die Medaillen in den Weltsportarten Damen-Synchronspringen vom 3-m-Brett (Bronze für Ditte Kotzian / Heike Ficher) und Herren-Synchronspringen vom Turm (Silber für Patrick Hausding / Sascha Klein) nur ein recht schwacher Trost.

Dümpelnder Achter

Zumal es an Hiobsbotschaften von anderen Schauplätzen nicht mangelte. Zwar ist das echte deutsche Flaggschiff, der Ruder-Achter, auf der Regattastrecke im Shunyi Park noch nicht versunken, die starken Herren von Trainer Christian Viedt müssen ihren Finalkurs aber nach Rang vier im Vorlauf über den peinsamen Umweg Hoffnungslauf abstecken.

Die Rad-Teams hatten schon in den Straßenrennen am Wochenende schwer enttäuscht. Bei den Herren kam überhaupt nur Fabian Wegmann (21.) ins Ziel. Bei den Damen schauten für die Mitfavoritinnen Trixi Worrack, Hanka Kupfernagel und Judith Arndt nur die Ränge 20, 39 und 41 heraus.

Und auch die deutschen Schützen ließen bis dato völlig aus. Für Sonja Pfeilschifter, immerhin Sportschützin des Jahres, war das Verpassen des Finales mit dem Luftgewehr zumindest keine Überraschung, hatte sie doch schon bei den Spielen in Sydney und Athen versagt. Karsten Bindrich landete wenige Wochen nach EM-Titel und Weltrekord mit der Luftpistole nur auf Rang sieben.

Reiterei, Fechterei

Freilich währen die Spiele noch lange, und Deutschland hat noch Hoffnungen genug. Schon heute, Dienstag, soll die Reiterei die bis dato verheerende Medaillenbilanz, die Deutschland nach 34 von 302 Entscheidungen mit je einmal Bronze und Silber nur knapp vor Österreich auf Rang 19 auswies, deutlich aufpolieren. In der Vielseitigkeit zu Hongkong wären zwei Goldene keine Überraschung. Vor dem abschließenden Springen lag die Mannschaft ebenso voran wie im Einzel Hinrich Romeike auf seinem Hannoveraner "Marius".

Am Mittwoch sind dann Degen-Fechterinnen und Florett-Fechter gefordert. Jeweils Gold und Silber für Deutschland lautete die kühnste aller Prognosen. Die Wahrheit liegt aber auf der Planche. (sid, lü, DER STANDARD Printausgabe, 12.8.2008)

  • Das deutsche Damen 470er-Segelteam Rothweiler/Kussatz könnte als zweifacher Europameister den deutschen Medaillienspiegel aufbessern
    foto: epa / weda

    Das deutsche Damen 470er-Segelteam Rothweiler/Kussatz könnte als zweifacher Europameister den deutschen Medaillienspiegel aufbessern

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