Viele Trompeten und ein Hauch Nationalismus

11. August 2008, 18:47
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    foto: ap/srdjan ilic

    Die 24 Blaskapellen, die um die "Goldene Trompete" kämpften, lockten rund eine halbe Million Besucher nach Guča.

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In der serbischen Ortschaft Guča fand zum 48. Mal das berüchtigste Blasmusikfestival des Landes statt - Die Feier wurde nur von der Verhaftung Radovan Karadžićs überschattet

"Mein Mann hat geweint, als wir von Karadžićs Verhaftung erfahren haben", schildert Irene die Gefühle, nachdem der politische Führer der Republik Srpska in Belgrad festgenommen wurde.

Die Berlinerin ist mit ihrem serbischen Mann nicht immer einer Meinung, und wenn es um Politik geht, fehlt ihr oft das Verständnis. "Als der Kosovo sich für unabhängig erklärte, hätte er am liebsten eigenhändig den Krieg begonnen", erzählt Irene. In Deutschland - das Ehepaar lebt in Berlin - stelle er seine politischen Ansichten nicht zur Schau. Hier in der serbischen Ortschaft Guča ist das anders. Seit Jahren besucht das Ehepaar bereits das größte Blasmusikfestival Serbiens.

Von vergangenem Donnerstag bis Sonntag versammelten sich zum bereits 48. Mal serbische Blaskapellen im rund 160 Kilometer südlich von Belgrad gelegenen Guča. Insgesamt 24 Blaskapellen wanderten musizierend durch die Straßen und wetteiferten um die begehrte Auszeichnung des Festivals, die "goldene Trompete".

Für ein paar hundert Dinar - üblicherweise werden sie in die Tuba gesteckt - versammelt sich die gesamte Kapelle um den Auftraggeber und spielt so laut wie möglich. Greifen die Musiker zu ihren Instrumenten, dann wird getanzt. Wobei anzumerken ist, dass hier im Grunde durchgehend und überall gespielt wird: auf den Straßen, in Vorgärten und in den unzähligen Bars.

Irene und ihr Mann haben sich mittlerweile selbst als Programmpunkt in Guča etabliert. Mit serbischen Kappen und rot-blau-weißen Häkelpullovern skaten sie jedes Jahr gemeinsam mit ihrer Enkeltochter stundenlang durch das 3000-Einwohner-Dorf und wurden so zu einem beliebten Motiv serbischer Boulevard-Pressefotografen. Voller Stolz zeigen sie uns ihr Bild in der Tageszeitung Blic.

Hier in der serbischen Region Dragacevo steht der Auslandsserbe mit seinem starken Patriotismus nicht alleine. Jeder dritte Souvenierhändler in Guča verkauft T-Shirts mit den Konterfeis von Karadžić und Ratko Mladić, und je länger das Festival dauert, umso mehr breiten sich Slogans wie "Karadžić 100 Prozent Serbe" oder "Serbian Hero" aus. Abends schwenken Jugendliche auf und neben der Trompeterstatue am Hauptplatz begeistert serbische Flaggen und verschaffen sich mit ihren Sprechchören Gehör.

"Europa kommt zu uns"

Diese politischen Sympathiekundgebungen bestimmen jedoch nicht das gesamte Festival. Im Vordergrund stehen trotz allem die Kapellen, Gastfreundlichkeit und die Freude am Feiern. "Der Westen hat ein falsches Bild von Serbien. Karadžić war ein Verbrecher, der sich selbst bereichern wollte, und nicht jeder Serbe steht hinter ihm" , erzählt Goran, der an der serbischen Grenze in der Nähe von Srebrenica aufgewachsen ist.

Für den jungen Serben war die späte Verhaftung ein strategisches Manöver der Regierung, "es passt gerade ins Konzept", sagt Goran in Anspielung auf den proeuropäischen Kurs der amtierenden Regierung in Belgrad. Er selbst sei patriotisch, aber trotzdem pro-westlich eingestellt. Diese Meinung teilen auch andere, doch danach muss man fragen, denn für die meisten steht während dieser fünf Tage doch die Blasmuskik und nicht die Politik im Vordergrund.

Auch Dejan, der junge Regionalpolitiker der Demokratischen Partei (DS), der auch der serbische Präsident Boris Tadić angehört, spricht nicht viel von Politik, sondern erklärt lediglich die Aufschrift eines T-Shirts mit dem Logo der EU. "Wir gehen nicht nach Europa, Europa kommt zu uns",  sei eine Anspielung auf Guča, aber auch auf die politische Situation Serbiens, sagt Dejan.

"Serbien ist einfach zu stolz, um sich anderen anzuschließen. Wir waren immer alleine. Die Jugend sieht aber sehr wohl die Vorteile der EU" , sagt er. In Bezug auf das Festival trifft der Slogan von Europa, das nach Serbien kommt, sogar irgendwie zu: Von den 500.000 Besuchern heuer in Guča kamen immerhin 50.000 aus dem Ausland. (Corina Staniek, Wolfgang Drucker aus Guča/DER STANDARD, Printausgabe, 12.8.2008)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 73
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borake
14
13.8.2008, 19:31

ich hab mir einen teil im bosnisch-serbischen tv angesehen und ich find die musik ist einfach nur der hammer!

ich weiß, dass das subjektive ist aber warum habe ich zur österreichischen volks(tümliche)musik überhaupt keinen zugang und diese musik reißt mich einfach sofort mit?

niniblueeyes
00
14.8.2008, 09:20

ich weiss warum ;-)

borake
00
14.8.2008, 11:35

hehe stimmt, das kann es natürlich sein :-)

Antun Zonger
00
12.8.2008, 23:33

Gibts schon einen Termin für 2009? Es ließe sich nämlich so schön mit dem jährlichen Besuch verbinden....

Decky S
37
12.8.2008, 12:58

Ich finde es schon lächerlich von den österr. Reportern jedes noch so anti-politisches Ereignis in Serbien durch den nationalistischen Sumpf zu ziehen. Von der Musik oder den dortigen Bräuchen war im Bericht keine Rede.
Mag sein,dass es da einpaar von Hunderttausenden Besuchern gibt,die mit solchen T-Shirts Geld machen wollen, aber das sollte nicht der Rede Wert sein.
Guca ist ein Fest der Freude, der Musik, des Brauchtums der serbischen Blasmusik und keine faschistische und nationalistische Propaganda-Aufführung, doch vehement muss man hierzulande jedes noch so positive Lebenszeichen aus Serbien beschmutzen.

Wie wäre es Ihnen zu Mute, Herr u Frau Ö, wenn jedes Land der Welt Sie noch immer als Nazi beschimpfen würde? Wäre Ihnen das Recht?

Jukka
18
12.8.2008, 16:48
schon beeindruckend

also mich haben die Schwarzkappen mit den Mladicbildertshirts und die Karaokebühne mit nationalistischen Akapelladarbietungen und der Einzug von vielleicht 50 Karadžics-Transparentträgern schon auch beeindruckt. Genauso wenn vielleicht 5 jährigen Buben die Schwarzkappen aufgesetzt werden und sich superhübsche Frauen mit den Kappen fotografieren lassen. Das ist dort Teil der Kultur. Ist nicht zu übersehen und zu überhören. Wenig am Tag recht massiv in der Nacht.
Guca ist ein Fest der Freude, der Musik, des Brauchtums der serbischen Blasmusik und eine KLEINE faschistische und nationalistische Propaganda-Aufführung. Guca ist mehr als ein positive Lebenszeichen aus Serbien. Guca ist Lebensfreude und Kultur in Serbien. Gut das ich dort war.

chilly76
 
01
25.8.2008, 16:48
juka diese kappen sind wie der tiroler hut auf dem oktoberfest ein trachtenmotiv

diese sajkaca gibt es sowohl in blau grün oder schwarz, und ist ein teil der serbischen tracht überwiegend in zentralserbien getragen. jedoch auch in suden und osten serbiens anzutreffen, diesen kappe "sajkaca" gabs vor jahrhunderten

Walter Tiefentaler
00
26.8.2008, 03:16
stimmt...

ausserdem koennte man so auch den villacher kirchtag ins rechte eck schieben. bei uns laeuft haider sogar noch frei herum...

Gilgamesh
12
12.8.2008, 14:57

Unverständlich der Satz???

"..Diese politischen Sympathiekundgebungen bestimmen jedoch nicht das gesamte Festival. Im Vordergrund stehen trotz allem die Kapellen, Gastfreundlichkeit und die Freude am Feiern..."


habibi1
31
12.8.2008, 15:44

Dieser eine Satz ändert nichts an der Tatsache das es im halben Artikel um den serb. Nationalismus geht.

Gilgamesh
54
12.8.2008, 15:56

Wenn beim Jazzfestival in Wiesen eine größere Gruppe mit A.H. Tshirts herrumlauft, wird sich eine Berichterstattung auch eher um die Extremisten drehen, als um Jazz??

DG79
00
19.8.2008, 10:37
?

was ist denn das für ein vergleich? sie vergleichen mücken mit elefanten, welches ergebnis erhoffen sie sich damit?

Gilgamesh
22
12.8.2008, 11:58

"...das Ehepaar lebt in Berlin..."

"..."Mein Mann hat geweint, als wir von Karadžics Verhaftung erfahren haben", schildert Irene die Gefühle..."

"..."Als der Kosovo sich für unabhängig erklärte, hätte er am liebsten eigenhändig den Krieg begonnen", erzählt Irene..."


Tjo besser kann man dumme Nationalisten nicht karikieren....


ano xxo
00
14.8.2008, 15:22
vorallem die "irene"

würde ich mir gerne anschauen.....wie juliette lewis im film california.....

grüsse

Z. Ristic
00
12.8.2008, 17:16

Wie sehen denn intelligente Nationalisten aus?

Gilgamesh
21
13.8.2008, 12:01

Sowas gibt es nicht... ;)


devianz
00
12.8.2008, 11:16

gibts von dem festival eigentlich eine homepage?

Helge Remsgard Remsgard
31
12.8.2008, 11:00

Nationalisten sind das letzte. Patrioten sind in-situ-Nationalisten.

Markus Bittner
52
12.8.2008, 13:26

was sind sie vom Beruf ?? Körndelfresser, Grüner, Nomade, haben sie irgendein Zugehörigkeitsgefühl, oder sind sie ein mit schwarzem Rollkragenpulli ausgestatteter Existenzialist ? oder einfach nur ein IDIOT ??? Patriotismus ist nicht Nationalismus, irgenein Zugehörigkeitsgefühl brauch ja der Mensch.

Helge Remsgard Remsgard
15
13.8.2008, 05:47

Patrioten sind auf etwas stolz, das sie nicht getan haben. Das ist normalerweise ein sicheres Anzeichen für Überheblichkeit oder Realitätsverlust.

Namor
00
19.8.2008, 10:19
ich bin stolz

auf meinen ellbogen!

Gilgamesh
22
12.8.2008, 15:00

Wie wäre, wenn sie den Unterschied erklären und nicht primitiv herumpöbeln???

Markus Bittner
32
12.8.2008, 16:02

Ein sportlicher Vergleich:

Patriot: Der die Fahne schwinkt
Nationalist: Der den Baseballschläger schwinkt

wenn sie eine intelektuell stimulierende Erklärung haben wollen auch dass hätte ich drauf...

Gilgamesh
00
14.8.2008, 11:12

Ich kenne ja den Unterschied, im Gegensatz zu ihnen.....

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