Mehr Anstrengungen für Europas digitale Bibliothek

11. August 2008, 18:43
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Brüssel fordert: EU-Staaten sollen mehr Geld in Online-Zugänglichkeit von Kulturschätzen investieren - Bisher nur ein Prozent der Bücher digitalisiert

Brüssel - Die EU-Kommission fordert von den europäischen Staaten mehr Anstrengungen für den Aufbau einer digitalen Bibliothek für Europa. Nur etwa ein Prozent der in den EU-Staaten archivierten rund 2,5 Mrd. Bücher sind bisher digitalisiert, bis 2012 werden es vier Prozent sein, stellte die Brüsseler Behörde am Montag kritisch fest. Um die europäischen Kulturschätze, großräumig über Internet zugänglich zu machen, seien daher noch enorme Investitionen der EU-Länder notwendig.

Prototyp startete im Herbst

Ein Prototyp der Europäischen Digitalen Bibliothek soll im November mit rund zwei Millionen Objekten starten. Konkret handelt es sich um ein gemeinsames EU-weit und in allen Sprachen zugängliches Gratis-Internet-Portal, über das bestimmte in Museen, Archiven und Bibliotheken archivierte Kulturgüter direkt abrufbar sein werden. Bis 2010 soll der digitale Bestand in "Europeana" auf sechs Millionen Werke ausgeweitet werden, sagte der Sprecher von EU-Medienkommissarin Viviane Reding.

Das Projekt für die Digitalisierung der europäischen Kunstschätze wurde im September 2005 gestartet. Seit damals hat die Brüsseler Behörde den EU-Ländern rund 60 Millionen Euro an Forschungsgeldern zur Verfügung gestellt. Offenbar mit unterschiedlichem Erfolg: Während etwa Finnland, die Slowakei und Slowenien große Digitalisierungs-Projekte gestartet haben, stellt in Deutschland nur eines von vier Museen sein digitales Material auch öffentlich zur Verfügung. In Polen sei nur ein Prozent der digitalisierten Archive online zugänglich, so die Kommission.

120 Millionen Euro für mehr Kulturinhalte

Für die nächsten beiden Jahren stehen neuerlich rund 120 Millionen Euro für die Verbesserung des Zugangs zu europäischen Kulturinhalten bereit. Allein um rund fünf Millionen Bücher online lesbar zu mache werden die Kosten auf 225 Millionen Euro geschätzt.

Auf dem gemeinsamen Portal sollen in erster Linie Bücher, Bilder, Musik, Manuskripte etc. zu finden sein, an denen es öffentliches Interesse gibt und für die die Urheberrechte bereits abgelaufen sind bzw., die vom jeweiligen Autor freigegeben wurden, betonte der Sprecher.

Die Entscheidung, was in der digitalen Europa-Bibliothek zugänglich ist, liegt bei den nationalen Einrichtungen selbst. Mehrere hochrangige Arbeitsgruppen arbeiten derzeit unter Koordinierung der im Vorjahr eingerichteten "Digital Library Foundation" mit Sitz in Den Haag daran, technische Probleme zu lösen, wie offene Urheberrechtsfragen, gemeinsame Normen für die Kompatibilität der verschiedenen Systeme oder auch die langfristige Lagerung. (APA)

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    Die EU-Kommission fordert von den europäischen Staaten mehr Anstrengungen für den Aufbau einer digitalen Bibliothek für Europa

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